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Berlin

Starkes Wachstum, Rekordbeschäftigung: Luft- und Raumfahrtindustrie 2016 weiter auf Erfolgskurs

Luft- und Raumfahrtindustrie 2016 weiter auf Erfolgskurs
Luft- und Raumfahrtindustrie 2016 weiter auf Erfolgskurs
• Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland baut Bedeutung als strategischer Standortfaktor aus
• Branchenumsatz erzielt erneut Allzeithoch mit 37,5 Mrd. Euro
• Beeindruckendes Umsatzwachstum von 8% im Vorjahresvergleich
• Beschäftigtenzahl verzeichnet mit 108.000 Mitarbeiter neuen Höchststand
• Weiterhin sehr ausgeprägte Forschungsintensität: 11% des Branchenumsatzes fließen in Forschung und Entwicklung

ALLGEMEINE BRANCHENLAGE

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich im zurückliegenden Geschäftsjahr 2016 sehr gut entwickelt. Das Umsatzwachstum der Gesamtbranche betrug 8%, der Gesamtumsatz erreichte ein Allzeithoch von 37,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 34,7 Mrd. Euro). Die Gesamtbeschäftigtenzahl verzeichnete ein leichtes Plus von 1% mit 108.000 direkt in der Luft- und Raumfahrtindustrie Beschäftigten (Vorjahreswert: 106.800). Dieser Wert kennzeichnet einen neuen Höchststand der Beschäftigtenzahl.
Der Exportanteil lag, gemessen am Umsatz der Gesamtbranche, bei 72%.

Die Zivilluftfahrt ist weiterhin das größte Einzelsegment der Branche. Global steigende Bestell- und Auslieferungszahlen führten zu einem Umsatzwachstum von 7% auf 27,1 Mrd. Euro. Gut 75.000 Menschen arbeiten in diesem Segment.

Die Militärische Luftfahrt verzeichnete ein Umsatzplus von 8 %. Der Umsatz stieg auf 7,5 Mrd. Euro. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 3% auf 23.800 Mitarbeiter.

In der Raumfahrt stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17,3% auf 2,9 Mrd. Euro, die Zahl der Arbeitskräfte erhöhte sich um 5,7% auf 8.900 Beschäftigte.

Die industrieeigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen weiterhin auf sehr hohem Niveau. Sie umfassen ein Volumen von 4 Mrd. Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von 11% des Branchenumsatzes.

BDLI-Präsident Klaus Richter erklärte: „Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie setzte auch im Jahr 2016 ihren Erfolgskurs fort. Dies gilt gleichermaßen für alle unsere Branchensegmente. Zu diesem Ergebnis trugen die großen Hersteller ebenso bei wie unser leistungsfähiger, hochspezialisierter Mittelstand. Diese positive Entwicklung ist Innovation, unternehmerischer Weitsicht, gezielter politischer Unterstützung sowie der Qualifikation und dem Engagement unserer Mitarbeiter zu verdanken.“

Mit Blick auf die Zukunft führte er aus: „Deutschland und Europa sind in der Luft- und Raumfahrtindustrie weltweit mit führend. Dabei entwickelt sich unsere Industrie immer mehr zu einem strategischen Standortfaktor für Deutschland: Wir investieren stark in Forschung und Entwicklung. Unserer Industrie kommt bei Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, 3D-Druck und Fabrik der Zukunft eine richtungsweisende Rolle zu – mit spill-over Effekten in andere Industrien.“

Richter mahnte: „Doch wir dürfen uns auf den Erfolgen keinesfalls ausruhen. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus aller Welt geht es in den kommenden Jahren vor allem darum, den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland wettbewerbsfähig und damit zukunftssicher zu machen. Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn alle Beteiligten aus Industrie, Politik und Forschung an einem Strang ziehen. Die Bundesregierung sollte sich verstärkt für faire Wettbewerbsbedingungen (level playing field) weltweit einsetzen. Regulierungen müssen global erfolgen um Nachteile für den Wirtschafts- und Industriestandort zu vermeiden.“

Von besonderer Bedeutung ist für Richter, dass die Bundesregierung die Rolle des Koordinators für die Luft- und Raumfahrt nach der Bundestagswahl beibehält.

ERGEBNISSE NACH TEILBRANCHEN

ZIVILE LUFTFAHRT

Die zivile Luftfahrt konnte sich auch im vergangenen Jahr sehr gut entwickeln. Weltweit zunehmender Mobilitätsbedarf und der Ersatz von älteren Fluggeräten mit hohem Kerosinverbrauch durch die neueste lärmarme, kraftstoffsparende Flugzeuggeneration sind weiterhin wesentliche Wachstumstreiber. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7% auf 27,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 25,3 Mrd. Euro). Mit 72% Anteil am Gesamtbranchenumsatz bleibt die zivile Luftfahrt mit Abstand der größte Sektor der nationalen Luft- und Raumfahrtindustrie mit 75.400 Beschäftigten.

Zivile Luftfahrt

„Die vorausschauende und zielorientierte Unterstützung und Förderung der Bundesregierung hat nach wie vor einen kardinalen Anteil an der positiven Entwicklung dieses Branchensegments“, so der BDLI-Präsident. „Dabei leistet das Förderspektrum des BMWi, beginnend mit der Grundlagenforschungsförderung beim DLR über das Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo), das Darlehensprogramm Luftfahrzeugausrüsterprogramm bis hin zu den Markterschließungsreisen und dem Auslandsmesseprogramm einen unverzichtbaren Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen im harten globalen Weltmarkt. LuFo-Fördermittel werden langjährig und damit für die Industrie und Forschungslandschaft planbar zur Verfügung gestellt. Das Luftfahrzeugausrüsterprogramm ermöglicht insbesondere unseren mittelständisch geprägten Zulieferern den Einstieg in auch risikoreiche Entwicklungsprogramme. Auch die Fortsetzung der Runden Tische, die das BMWi mit wesentlichen Akteuren der Branche initiiert hat, greift aktiv zukunftsweisende Themen wie Industrie 4.0, ziviles unbemanntes Fliegen oder Arbeit 4.0 auf. Diese Unterstützung benötigen wir, damit auch in Zukunft viele Innovationen ‚Made in Germany‘ in Produkte der Spitzentechnologie und damit in Markterfolge umgesetzt werden können.“

Volle Auftragsbücher und das Anheben der Produktionsraten bei allen Luftfahrzeugherstellern trugen auch 2016 zum Umsatzwachstum bei. Richter betonte: „Die Auftragsreichweite entspricht, gemessen nach heutigen Produktionsraten, etwa zehn Jahren und sichert langfristig Arbeitsplätze. Davon profitieren auch unsere Triebwerkhersteller und mittelständisch geprägte Zulieferunternehmen. Diese Auftragsreichweite ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Branche.“

Die Entwicklungsleistungen für wichtige zivile und auch militärische Flugzeugprogramme sind weitgehend abgeschlossen. Richter sagte: „Unsere Industrie investiert weiterhin - gerade auch im Vergleich zu anderen Industrien - stark in neue Technologien und Produkte in Hinblick auf die Entwicklung der nächsten Generation von Flugzeugen ebenso wie für Produktweiterentwicklungen für laufende Flugzeugprogramme. Ein wichtiger Bereich ist dabei auch die Einführung von Industrie 4.0 und Digitalisierung in Entwicklung, Produktion und Services. Diese Investitionen in Schlüsseltechnologien bilden auch künftig die Basis des globalen Markterfolges unserer Branche.“

Airbus Helicopters baute im Jahr 2016 seine Führungsposition mit einem Anteil von 47% auf dem zivilen und halbstaatlichen Markt weltweit weiter aus.

DIE ZIVILE ZULIEFERINDUSTRIE

Die deutsche Zulieferindustrie partizipiert an dem Hochlauf der zivilen Luftfahrzeug-Programme. Richter führte aus: „Unsere mittelständisch geprägte Industrie gewinnt weiterhin Programmbeteiligungen auch bei außereuropäischen Flugzeugherstellern. In allen jährlich ca. 1.800 weltweit ausgelieferten Verkehrsflugzeugen sind Komponenten ‚Made in Germany‘ enthalten – ein herausragender Erfolg.“

Der BDLI-Präsident konkretisierte weiter: „Den weltweiten Erfolg erzielen unsere im Hochlohnland Deutschland angesiedelten Unternehmen in einem harten internationalen Wettbewerb, in dem sie sich aufgrund ihrer starken Marktstellung in Technologie, Qualität und Zuverlässigkeit bewähren. Die unter der Schirmherrschaft der Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt stehende Supply Chain Excellence (SCE)-Initiative leistet zusammen mit dem BDLI und unseren Regionalverbänden einen wichtigen Beitrag zur strategischen Aufstellung unserer Zulieferer. Internationalisierung, Unternehmenskooperationen, verbesserter Zugang zu Finanzierung und Steigerung der operativen Leistungsfähigkeit sind hier die Stichwörter!“

MILITÄRISCHE LUFTFAHRT

Der Umsatz in der militärischen Luftfahrtindustrie stieg um 8 % auf 7,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,8 Mrd. Euro) und macht 20% des Gesamtbranchenumsatzes aus. Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich um 3% auf 23.800 Mitarbeiter.

Militärische Luftfahrt

Mit Blick auf die militärische Luftfahrtindustrie führte Richter aus: „Nach den zurückliegenden Jahren, die durch Rückgang bei Umsatz und Beschäftigung in diesem strategisch wichtigen Branchensegment gekennzeichnet waren, konstatieren wir jetzt eine Trendwende. Diese ist eine Folge der sich verändernden sicherheitspolitischen Lage weltweit. Deutschland engagiert sich als NATO-Partner verstärkt, um unsere westliche Wertegemeinschaft, unsere Demokratie und Freiheit zu schützen. Daraus folgt auch, dass die Bundesrepublik wieder mehr in Verteidigung investieren muss.“

Um diese Verantwortung weiterhin ausfüllen zu können, bedarf es nach einem Vierteljahrhundert der Einsparungen nunmehr einer kontinuierlichen Ausgabensteigerung im Verteidigungsetat. Die Bundesregierung befindet sich dabei auf einem guten Weg. Essentiell hier ist dabei die Entwicklung und spätere Beschaffung des Future Combat Air System (FCAS) mit seinem Nukleus Next Generation Weapon System (NGWS) als europäische Gemeinschaftsentwicklung. Dieses System trägt nachhaltig zum Erhalt und Ausbau industrieller Kompetenz in Deutschland bei. Ebenso bedarf es der konsequenten Fortführung der Arbeiten am Entwicklungsprojekt MALE UAS, gemeinsam mit Frankreich und Italien.

Richter unterstrich: „Nur durch die konsequente Weiterentwicklung dieser Kompetenzen kann das notwendige Know-how und die Systemfähigkeit der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie langfristig sichergestellt werden. Nur so lassen sich nationale Souveränität und Handlungsfähigkeit gewährleisten.“

Richter forderte die zügige Umsetzung der Militärischen Luftfahrtstrategie (MLS) des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg): „Insbesondere die Entwicklung neuer Programme und die Festschreibung einer militärischen Technologie-Roadmap ist von unerlässlicher Bedeutung für den Fortbestand dieses Branchensegments in Deutschland. Wenn keine Neuprogramme kommen, ist die Fähigkeit zur Entwicklung und Herstellung in diesem High-Tech Segment akut gefährdet! Der BDLI steht hier zum strukturierten Dialog bereit.“

RAUMFAHRT

Hinter der hochinnovativen Schlüsseltechnologie-Branche Raumfahrt liegt wieder ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2016. Der Umsatz erhöhte sich auf 2,9 Mrd. Euro und entspricht 8% des Branchenumsatzes. Die Beschäftigtenzahl stieg auf 8.900.

Raumfahrt

Bei der für die Zukunft der Raumfahrt-Branche maßgeblichen ESA-Ministerratskonferenz wurden im Dezember 2016 richtungsweisende Beschlüsse gefasst, die Richter als vollen Erfolg wertete: „Zu den wichtigsten dort getroffenen Entscheidungen zählen die starke Zeichnung der Raumfahrtanwendungs- und Technologieprogramme ebenso wie die Einigung zur Fortsetzung der internationalen Kooperation auf der Internationalen Raumstation ISS bis 2024. Deutschland ist führende Raumfahrtnation in der ESA und Motor europäischer Integration in diesem Hightech-Bereich. Dank gilt der Bundesregierung für die kontinuierliche Unterstützung!“

In den verschiedenen Raumfahrt-Sparten sind folgende Highlights hervorzuheben:
Die europäische Trägerrakete Ariane 5 stellte mit sieben erfolgreichen Starts auch im vergangenen Jahr ihre Zuverlässigkeit erneut unter Beweis. Bis zum heutigen Tag hat die Ariane 5 damit in Folge 77 Starts erfolgreich absolviert. Ariane 5 verfügt über 50% Marktanteil im kommerziellen Trägerraketengeschäft weltweit. Parallel dazu wurde die Neuentwicklung der Trägerrakete Ariane 6 vorangetrieben, deren Jungfernflug für 2020 geplant ist.

Im Bereich von Navigation, Erdbeobachtung und Telekommunikation wurden innovative Satelliten mit maßgeblicher deutscher Beteiligung gestartet. Richter betonte: „Einen Höhepunkt stellte 2016 der erfolgreiche Start von gleichzeitig vier Galileo-Satelliten mit einer Ariane 5 dar. Ende 2016 konnten die ersten Dienste des Galileo-Satellitensystems in Betrieb genommen werden.“

Ebenfalls Ende 2016 fertiggestellt wurde das globale 3D-Höhenmodell der Erde WorldDEM, das auf Daten der Satellitenmission TanDEM-X beruht. Zudem fiel der Startschuss für den weltweit ersten kommerziellen Datenrelais-Dienst „SpaceDataHighway“. Basierend auf optischer Datenübertragung „made in Germany“ wurde damit eine neue Ära in der Satellitenkommunikation eingeleitet.

Mit Bau, Start und erfolgreicher Inbetriebnahme des SmallGEO Satelliten H36W-1 Anfang 2017 wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Deutschland wieder in der Lage ist, komplette Kommunikationssatelliten zu entwickeln und zu bauen. Die Wiedererlangung dieser Systemfähigkeit war ein wesentliches Ziel der nationalen Raumfahrtstrategie.

Der Start des Sentinel 2B Satelliten schließlich bedeutete einen wichtigen Meilenstein für das seit Mitte 2016 operationelle europäische Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm. Sentinel 2B liefert zusammen mit seinem Schwestersatelliten Sentinel 2A nun alle 5 Tage aktuelle Bilder der Erdoberfläche und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Katastrophen-schutz.

Zur Sicherung einer weiterhin erfolgreichen Entwicklung des Raumfahrtstandorts Deutschland setzt der BDLI auf die weitere Fortsetzung des strategischen Dialogs zur langfristigen Ausrichtung der deutschen Raumfahrtpolitik. Es gilt dabei auch weiterhin, gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen, die sich u.a. durch die sich wandelnde Raumfahrtlandschaft weltweit stellen. Dies kann nur durch eine langfristige deutsche Raumfahrtstrategie mit klaren Zielsetzungen und stringenter Programmatik unter Einbeziehung der neuen Märkte erreicht werden.