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Berlin

Marsmission der Europäischen Raumfahrt wissenschaftlicher Erfolg - Entscheidender Beitrag der deutschen Raumfahrtindustrie

ExoMars (Artist's impression: ESA - D. Ducros)
ExoMars (Artist's impression: ESA - D. Ducros)
Nach sieben Monaten Reisezeit hat die europäisch-russische ExoMars 2016 Mission diese Woche den roten Planeten erreicht.

Aus wissenschaftlicher Sicht war die Mission erfolgreich: Das Kernstück, der Spurengas-Orbiter, hat wie geplant seine Umlaufbahn in der Marsatmosphäre aufgenommen. Der Orbiter, dessen Kernmodul in Deutschland entwickelt und gefertigt wurde, wird die Marsatmosphäre untersuchen und wichtige Anhaltspunkte für künftige Marsmissionen liefern.  

„Trotz aller Schwierigkeiten ist die Mission ein historischer Meilenstein und wegweisender Erfolg für die europäische Raumfahrt“, sagt Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des BDLI. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie schwierig Marsmissionen sind. Raumfahrt ist Pionierarbeit, für die wir häufig an die Grenzen des technologisch Machbaren gehen müssen Daher freut es uns besonders, dass der für die Wissenschaft und zukünftige Marsmissionen bedeutendste Teil der Mission erfolgreich verlaufen ist.“

 „Die in Deutschland ansässige Raumfahrtindustrie hat entscheidend zur ExoMars Mission beigetragen. Dieser Meilenstein wäre ohne die herausragenden industriellen Leistungen unserer deutschen Raumfahrtindustrie nicht möglich geworden. Auf diese Leistung ‚high-tech Made in Germany‘ können wir stolz sein!“ Thum betonte weiter: „Raumfahrt ist kein Luxus. Sie macht unser modernes Leben erst möglich und hilft der Menschheit, Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit zu finden.“

Weitere Informationen zur Bedeutung der Raumfahrt finden Sie hier. Unsere aktuelle Innovation der Woche zum ExoMars Spurengas-Orbiter ist hier veröffentlicht.

 

BDLI Mitgliedsunternehmen tragen entscheidend zum Erfolg der ExoMars 2016 Mission bei

Herzstück der ExoMars 2016 Mission ist der sogenannte Spurengas-Orbiter (TGO), dessen Kernmodul vom Technologie- und Raumfahrtkonzern OHB in Bremen entwickelt und gefertigt wurde. Die wichtigsten Aufgaben des Orbiters: Er ist Träger für das Eintritts- und Landemodul und wird die Marsatmosphäre auf Spurengase untersuchen. Der Orbiter wird nun über komplexe Bremsmanöver in Position gebracht und ab Dezember 2017 die Suche insbesondere nach Methan aufnehmen. Die Forscher erhoffen sich durch die Messungen Aufschlüsse darüber, ob es einmal Leben auf dem Mars gegeben hat oder ob unter der Marsoberfläche vielleicht sogar noch Leben existiert. Darüber hinaus soll der TGO wichtige Anhaltspunkte für künftige Marsmissionen liefern, etwa über die Zusammensetzung der Atmosphäre des Roten Planeten. Für die ExoMars-Mission 2020 entwickelt OHB den sogenannten Carrier, der eine Oberflächenplattform samt Rover zum Mars befördern wird.

Hauptauftragnehmer der ExoMars Mission ist Thales Alenia Space. Die deutsche Tochter Thales Alenia Space Deutschland in Ditzingen (Baden-Württemberg) entwickelte den Raumfahrtzeug-Interface-Simulator für den Spurengas-Orbiter (TGO). Dabei handelt es sich um eine kleine und transportable Lösung für die Kommunikationssimulation mit den Nutzlasten. Darüber hinaus unterstützte das Unternehmen die finalen Tests für die internationalen wissenschaftlichen Nutzlasten und deren Integration auf der Satellitenplattform. 

Airbus Defence and Space hat die beiden Hitzeschilde entwickelt und produziert, die die Schiaparelli-Kapsel während des Abstiegs durch die Marsatmosphäre geschützt haben. Für den zweiten Teil der ExoMars Mission 2020 entwickelt das Unternehmen derzeit den ersten europäischen Mars-Rover. Er soll die ambitionierten Zielsetzungen Europas für die zukünftige Erforschung des Sonnensystems durch Roboter und Menschen unterstützen. Verschiedene europäische Standorte sind an den Beiträgen zur Mission beteiligt. Airbus Defence and Space in Deutschland ist mit den Unterauftragnehmern Sener und Aerosekur für die Entwicklung der Landeplattform verantwortlich.

Die Ankunft am roten Planeten wurde von Telespazio VEGA Deutschland begleitet. Die Vorbereitung und Ausführung dieser kritischen Phase der Mission, gesteuert vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum in Darmstadt, wurde von Experten des Darmstädter Raumfahrtunternehmens unterstützt. Besonders herausfordernd: Die Trennung des Landemoduls Schiaparelli vom TGO-Mutterschiff am 16. Oktober; die Anhebung der Umlaufbahn des TGO am 17. Oktober; das kritische Manöver des TGO am 19. Oktober, das die Sonde in die Umlaufbahn des Mars brachte, und die Landung von Schiaparelli auf dem Mars. 

Viele missionskritische Bodensysteme, die dazu genutzt werden, den ExoMars TGO zu steuern und seine Aktivitäten zu planen, entwickelte Telespazio VEGA Deutschland gemeinsam mit Partnern für die ESA, darunter den Simulator, das Missionskontrollsystem und das Missionsplanungssystem

Wichtige Beiträge leistete auch Tesat-Spacecom in Backnang bei Stuttgart. Das Unternehmen war für verschiedene Hitzetests verantwortlich und hat zudem Teile für das Telemetry Subsystem von ExoMars geliefert.

 

Was ist die ExoMars Mission?

ExoMars ist eine zweigeteilte Explorationsmission der europäischen und der russischen Raumfahrtagentur, ESA und Roskosmos, zur Erkundung des Roten Planeten. Überwacht werden die Missionen vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt.

Die erste Mission namens ExoMars 2016 besteht aus einem Spurengas-Orbiter und einem Landemodul. Sie startete am 14. März 2016 und ist am 16. Oktober am Mars angekommen. Es geht bei der Mission in erster Linie um die Erprobung der Landetechnologie und die Untersuchung der Marsatmosphäre und -oberfläche. Frühere Missionen haben Methanvorkommen gemessen, die darauf hindeuten können, dass dieses Gas durch Mikroorganismen oder Verwesungsprozesse freigesetzt wurde.

Der Start der zweiten ExoMars-Mission ist für Juli 2020 geplant. Sie besteht aus einer Oberflächenplattform, die auf dem Mars landen wird, und einem europäischen Rover zur Untersuchung der Mars-Oberfläche. Um detaillierte Erkenntnisse zu gewinnen bringt ein Carrier eine feste Station, einen Rover und zahlreiche wissenschaftliche Experimente zum Mars. Der Spurengas-Orbiter fungiert als Kommunikationszentrale mit der Erde. Unter anderem sollen Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe vorgenommen werden, denn Wissenschaftler vermuten, dass Mikroorganismen in die Tiefe abgewandert sind, als der Mars immer lebensfeindlicher wurde.