|

Berlin

ILA aktuell

ILA Berlin 2018
ILA Berlin 2018
- 25. April 2018 -

Ein „Traum“ auf der ILA: Antonow An-225 als Überraschungsgast

Das größte und schwerste im Einsatz stehende Flugzeug der Welt ist am Mittwoch als Überraschungsgast auf der ILA in Berlin eingetroffen und wird bis zum Publikumswochenende gezeigt. Die An-225 „Mrija“ (Traum) des ukrainischen Herstellers Antonow startete Ende 1988 zu ihrem Erstflug und wurde ursprünglich entwickelt, um die sowjetische Raumfähre „Buran“ auf ihrem Rücken zu transportieren. Nach der Einstellung des Weltraumprojektes vorübergehend stillgelegt, wurde die sechsstrahlige Maschine 2001 durch Antonov Airlines als Frachtflugzeug für Schwerlasten reaktiviert und hat seitdem Zuladungen von bis zu 250 Tonnen transportiert. Das maximale Startgewicht beträgt 640 Tonnen. Der „Traum“ ist 84 Meter lang und hat eine Spannweite von 88,40 Metern. Das Höhenleitwerk ist 32,65 Meter breit, das entspricht der Spannweite der Tragflächen eines Airbus A320.

BDLI und GIFAS wollen Kooperation ausbauen

Ihren Willen zur Ausweitung der Kooperationen bekräftigten der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Klaus Richter, und der Vorsitzende des französischen Branchenverbandes GIFAS, Eric Trappier, am Mittwoch zum Beginn der ILA 2018. Frankreich ist das Partnerland der diesjährigen Messe. Mit rund 400 Mitgliedern, die circa 200.000 Mitarbeiter beschäftigen, und einem Jahresumsatz von circa 64 Milliarden Euro stelle die Branche einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Frankreich dar, betonte Trappier. Eines der möglichen, zukünftigen Kooperationsprojekte ist das von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron initiierte Future Combat Air System (FCAS), das für die gemeinsamen Anforderungen beider Länder bis 2035/40 entwickelt werden soll. Es beinhaltet nicht ein einzelnes Flugzeugmodell, sondern eine Reihe von Systemen, zu denen auch unbemannte Luftfahrtzeuge einschließlich eines ferngesteuerten Kampfjets gehören könnten.


Nothilfe und Fachvorträge: Bundeswehr zeigt Expertise
Die Bundeswehr zeigt auf der ILA unter anderem in einer Nothilfedemonstration, wie Feuer aus der Luft bekämpft wird und Hilfsgüter abgesetzt werden. Zum Einsatz kommen dabei der Transporthubschrauber CH-53 und der Hubschrauber NH-90. In Halle 3 präsentieren die Cyber-Forensiker der Bundeswehr wie Daten von einem absichtlich zerstörtem USB-Stick ausgelesen werden können. In der HeliLounge werden spannende Vorträge gehalten, u.a. um 16 Uhr "Erfolgreiche multinationale Kooperation: Das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg und das Deutsch-Französische Ausbildungszentrum TIGER".

 

Erfolgsgeschichte der Zulieferer

Nirgends sonst versammeln sich so viele internationale Zulieferer der Luftfahrtindustrie wie auf der ILA Berlin 2018. Die Erfolgsgeschichte des International Supplier Centers (ISC) schreibe sich in diesem Jahr zum siebten Mal in Folge fort, sagte Arndt Schönemann, Vizepräsident Ausrüstung und Werkstoffe des BDLI, bei der Eröffnung des ISC am Mittwoch. Es stellt mit 280 inzwischen fast ein Drittel aller Aussteller der Messe. Schoenemann freute sich vor allem, dass immer mehr Non-Aviation-Unternehmen dazu kommen. Das zeige, wie die Luft- und Raumfahrtindustrie in alle anderen Zweige hineinwirke.

Der neu ernannte Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie, Thomas Jarzombek (CDU), begrüßte, dass sich die deutsche Zulieferwirtschaft immer mehr für die internationalen Flugzeughersteller geöffnet habe. Die Branche sei ohnehin ein Beispiel dafür, dass nationales Denken in eine Sackgasse führe. Bertrand Lucerau, Präsident der Zulieferersparte des französischen Industrieverbandes Gifas, wies auf die großen Herausforderungen der oft mittelständisch strukturierten Branche hin: Mehrere zeitgleiche umfangreiche Entwicklungen wie neue Flugzeug- und Triebwerkvarianten, den allgemeinen Kostendruck und die Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar stellten die Leistungsfähigkeit auf eine harte Probe. Er schlug den Wechsel auf Euro-Basis bei Abrechnungen zwischen Unternehmen vor, die beide ihren Sitz in der Eurozone haben.

Herausforderungen für Europa bei der Forschung steigen

Die Stärkung der Forschungsstrategie der Europäischen Union angesichts neuer Herausforderungen bei der Globalisierung und der Digitalisierung stand im Mittelpunkt der Eröffnung des ILA Future Labs am Mittwoch. Reiner Winkler, Vizepräsident Luftfahrt des BDLI, merkte an, dass die wichtigsten Indizes positive Tendenz zeigten, dass aber auch die internationalen Herausforderungen auf dem Feld der Forschung für Europa größer geworden seien. Die derzeitige Spitzenposition zu verteidigen, sei umso wichtiger in Zeiten, da nationalistische Tendenzen auf der politischen Agenda erschienen. Nur mit globaler Zusammenarbeit sei es überdies möglich, dem Klimawandel entgegenzuwirken, betonte er. Der neue Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), attestierte der Branche, sie habe „das Zeug dazu, Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen“. Er glaube, das neue ILA-Konzept, bei dem die drei Buchstaben für „Innovation and Leadership in Aerospace“ stehen, sei das richtige. Die Direktorin der EU-Kommission für Transport, Clara de la Torre, beschrieb als eine der Zukunftsaufgaben ihrer Behörde das Aufstellen von Standards für Elektroantriebe.

Eurofighter soll künftig deutsche Tornados ersetzen

Auf der ILA zeigen sie täglich ihre Leistungsfähigkeit, doch Deutschlands Tornado Kampfflugzeuge sind in die Jahre gekommen. Seit Anfang der 1980er Jahre wurden sie als Jagdbomber sowie zur elektronischen Aufklärung eingesetzt; einige sind für den Kampf gegen den sogenannten IS in Jordanien stationiert. Für den Ersatz ab etwa 2015 wird nun eine neue Version des Eurofighter Typhoon angeboten, von dem bislang weit über 600 Exemplare bestellt wurden und der bei der Deutschen Luftwaffe bereits als Jagdflugzeuge im Einsatz stehen. „Ich bin zuversichtlich, dass der Eurofighter Typhoon eine kosteneffektive und attraktive Lösung für Deutschland darstellen kann, die allen Erfordernissen gerecht wird und jede Mission für die Deutsche Luftwaffe erfüllen kann“, ist sich Volker Paltzo sicher, der CEO der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH. Das entsprechende Angebot wurde am Vortag der ILA gemeinsam von Airbus und der Eurofighter GmbH an das Bundesverteidigungsministerium übermittelt.

DLR: Innovatives Pilotenassistenzsystem

Die Landung gehört zu den arbeitsintensivsten Phasen eines Fluges. Um die Piloten bei den komplexen Handlungsabläufen für einen möglichst lärmarmen Anflug zu unterstützen, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Pilotenassistenzsystem LNAS (Low Noise Augmentation System) entwickelt. Das DLR erprobt nun in Kooperation mit der Deutschen Lufthansa, dem Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) in Kelsterbach und dem Frankfurter Flughafenbetreiber FRAPORT AG das Pilotenassistenzsystems im täglichen Flugbetrieb. Aktuell nutzen 25 ausgewählte Lufthansa-Piloten das LNAS-Assistenzsystem zur Vorerprobung im regulären Flugbetrieb bei der Durchführung von Anflügen. Sobald alle Rahmenbedingungen erfüllt sind, soll die Erprobung auf alle A320-Piloten der Lufthansa ausgeweitet werden. Das Landeassistenzsystem LNAS wird am DLR-Stand Halle 4, Stand 301 auf der ILA Berlin präsentiert.

Einzigartiges Konzept für schwere Lasten: Boeing CH-47 Chinook

Zwei hintereinander im Tandem angeordnete Rotoren mit jeweils drei Blättern und über 18 Metern Durchmesser, die sich gegeneinander drehen – dieses Konzept macht die Boeing CH-47 Chinook in der kleinen Welt der großen Hubschrauber einzigartig. Rund elf Tonnen kann der Koloss heben, von dem seit dem Erstflug im September 1961 über 1.200 Exemplare für zahlreiche Armeen der Welt, aber auch einige zivile Betreiber gebaut worden sind. Doch zum alten Eisen gehört die Chinook mit bald 60 Jahren noch lange nicht, denn sie wurde kontinuierlich modernisiert und an den jeweiligen Bedarf angepasst. Die aktuelle Version steht auch im Wettbewerb um einen Nachfolger des Transporthubschraubers CH-53 der Bundeswehr. Auf der ILA 2018 sind jeweils ein Exemplar der US-Streitkräfte und der Royal Air Force zu sehen, letzteres ist auch im Flugprogramm vertreten.

Deutsche Firmen beteiligen sich an Boeings Angebot für STH

Die bewährten, aber bereits seit Jahrzehnten eingesetzten schweren Transporthubschrauber (STH) Sikorsky CH-53G der Bundeswehr sollen in wenigen Jahren durch einen modernen Nachfolger ersetzt werden. Boeing aus den USA erwartet etwa zum kommenden Jahreswechsel eine offizielle Angebotsanfrage aus dem Bundesverteidigungsministerium. Mit dem Modell CH-47 Chinook hat das Unternehmen einen Hubschrauber im Fertigungsprogramm, der bereits bei NATO-Partnern im Einsatz steht und an dessen Fertigung und Wartung auch deutsche Luft- und Raumfahrtunternehmen beteiligt werden. „Wir haben ein starkes Team für unser Chinook-Angebot aufgestellt“, so Michael Hostetter, Director Vertical Lift Programs Germany. „Der Chinook ist ein moderner, erprobter und einsatzbereiter Schwerer Transporthubschrauber mit hoher Verfügbarkeitsrate und geringem Wartungsaufwand.“

Vereinigung Cockpit fordert IT-Sicherheitskonzept für die Luftfahrt

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat auf der ILA 2018 ein umfassendes IT-Sicherheitskonzept für die Luftfahrt gefordert. „Die gesamte Kommunikation des Flugzeugs mit der Flugsicherung verläuft unverschlüsselt“, sagte Markus Wahl, der Sprecher der Gewerkschaft. „Das könnte dazu führen, dass ein Flugzeug aufgrund eines unautorisierten Funkspruchs von seiner Route abweicht, was fatale Folgen haben kann. Außerdem verlässt man sich in der Luftfahrt für die Navigation zunehmend auf GPS-Signale. Auch diese können gestört und verfälscht werden. Deshalb sei es entscheidend, umfassende Sicherheitskonzepte zu entwickeln, die von unabhängiger Stelle verifiziert werden.

Premiere auf der ILA: ESA vermarktet Copernicus-Programme

Im Verlauf der ILA wird ein neuer digitaler Handelsplatz das Licht der Welt erblicken. Die World Space Alliance wird weltraumgestützte Daten und Produkte der Copernicus-Programme der ESA im Angebot haben. Die Partnerschaft zwischen der ESA und dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware wird den Weg zu auf Geodaten beruhenden Geschäftsanwendungen ebnen und so die Lücke zwischen herkömmlicher Erdbeobachtung und der digitalen Geschäftswelt schließen. Am Donnerstag um 10.15 Uhr stellen Josef Aschbacher, ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, Thomas Reiter, agenturübergreifender Koordinator der ESA, Bianca Hörsch, ESA-Beauftragte für Digitales und Carsten Linz, Informatikleiter, SAP Center for Digital Leadership, das Projekt im Raumfahrt-Pavillon der ILA vor.

 

17 Zeltbauten, 170 Container und 19 000 Meter Zaun

Bis zum heutigen Morgen wurde auf dem ILA-Gelände in Selchow gehämmert, geschraubt und gebohrt. In den letzten Tagen gehörten die Messehallen den Standbauern, die bis zur letzten Minute werkelten und es wieder einmal schafften, den letzten Staub zusammen zu fegen, bevor die ersten Besucher durch die Tore strömten. Doch bereits seit Wochen glich das Berlin ExpoCenter Airport in Selchow einer Großbaustelle. Auf dem 250.000 Quadratmeter großen Areal wurden zusätzlich zu den drei festen Ausstellungshallen insgesamt 17 Zeltbauten mit einer Größe zwischen 30 und 8.500 Quadratmetern errichtet, 32 Chalets errichtet und nicht weniger als 170 Container aufgestellt. 19 Kilometer Zaun sorgen für die notwendigen Absperrungen.