Schub für Deutschland, Antriebe für die Welt

Berlin_Brandenburg
Ende des 19. Jahrhunderts hob Flugpionier Otto Lilienthal in Berlin zu den ersten Gleitflügen ab. Berlin-Brandenburg ist nicht nur die Wiege der Luftfahrt, sondern gehört zu den innovativsten Luft- und Raumfahrtregionen Deutschlands.

Heute sind in der Hauptstadtregion rund 100 Unternehmen und Organisationen in der Luft- und Raumfahrt tätig – von hochspezialisierten Kleinbetrieben bis zu global agierenden Konzernen, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Die Warengruppe "Luftfahrzeuge" ist das wichtigste Exportgut Brandenburgs. So verleiht die wirtschaftliche Bedeutung der Branche einer ganzen Region Auftrieb.

Heute leben rund 17.000 Menschen in der Hauptstadtregion von der und für die Luft- und Raumfahrt. Und mit inzwischen über 7.500 industriellen Arbeitsplätzen in Berlin-Brandenburg hat die Luft- und Raumfahrtindustrie ihre Beschäftigungszahl in den letzten Jahren deutlich gesteigert

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Dr. Dietmar Woidke

Ministerpräsident des Landes Brandenburg
Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist stolz auf ihre Historie als Wiege der Luftfahrt, die zugleich auch eine Verpflichtung für die Zukunft darstellt. Gemeinsam ist uns in den vergangenen 25 Jahren eine beispiellose Entwicklung gelungen. Es wurden erhebliche Kompetenzen aufgebaut und Unternehmen im Luft- und Raumfahrtbereich angesiedelt. Produkte aus Brandenburg, darunter Triebwerkstechnik, gehören zur Weltspitze. Hinzu kommen viele innovative Unternehmen, die sich mit den großen Herausforderungen und Zukunftsthemen der Luft- und Raumfahrt beschäftigen. Sie können dabei auf ein Umfeld aus Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen zurückgreifen, das einzigartig in Europa ist.
(Foto: Die Hoffotografen) 
MP Woidke

Erstmals zivile Großtriebwerke aus Deutschland

Bedeutendster Vertreter der Luft- und Raumfahrtindustrie in Berlin-Brandenburg ist Rolls-Royce Deutschland. Rolls-Royce ist ein weltweit führender Hersteller von Antriebssystemen. Innerhalb des Konzerns hat Deutschland mit rund 10.000 Mitarbeitern an mehr als einem Dutzend Standorten nach dem Vereinigten Königreich die zweitgrößte Belegschaft. Rolls-Royce Deutschland ist der einzige deutsche Flugzeugtriebwerkshersteller mit Systemkompetenz – der Zulassung für die Entwicklung, Herstellung und Instandhaltung moderner ziviler und militärischer Turbinentriebwerke

Eine herausragende Bedeutung kommt dabei der Triebwerksproduktion am Standort Dahlewitz südlich von Berlin zu, an dem bereits mehr als 7.000 Flugzeugantriebe produziert worden sind. Das Werk mit seinen über 2.400 hochqualifizierten Beschäftigten ist heute ein wichtiger Produktions- und Entwicklungsstandort im globalen Rolls-Royce Konzern: Hier werden seit mehr als 20 Jahren Antriebe für Geschäftsreiseflugzeuge entwickelt, montiert und gewartet.

Rolls-Royce

Mit der Eröffnung einer Montagelinie für Trent XWB Triebwerke im Sommer 2017 wurde der Standort nochmals gestärkt. Nach Hochlauf der Produktion werden in Dahlewitz mehrere Trent XWB pro Woche fertiggestellt, die Fertigung im englischen Derby wird so ergänzt. Damit werden erstmals zivile Großtriebwerke komplett in Deutschland montiert. Das Trent XWB gilt als das derzeit effizienteste Großtriebwerk der Welt und ist einziger Antrieb des neuesten Langstreckenfliegers Airbus A350 XWB. Mit bislang weltweit mehr als 1.600 Aufträgen ist es zudem das sich am schnellsten verkaufende Triebwerk für Großraumflugzeuge überhaupt.

Dahlewitz ist außerdem Standort des neuen Testzentrums für Leistungsgetriebe des Rolls-Royce Konzerns, womit die hier bereits bestehenden Testeinrichtungen für mechanische Komponenten weiter ausgebaut werden.

Alastair McIntoshAlastair McIntosh

Head of Head of Technology Programmes, Civil Aerospace, Rolls-Royce und Director Engineering & Technology, Rolls-Royce Deutschland

Rolls-Royce ist vor mehr als 25 Jahren nach Brandenburg gekommen. Heute arbeiten rund 2600 Menschen aus 50 Nationen für das Unternehmen in Dahlewitz. Sie entwickeln, montieren, testen und warten moderne Flugzeugtriebwerke. Mehr als 7000 Triebwerke ‚Made in Brandenburg‘ wurden bereits ausgeliefert. Dass sich Rolls-Royce als einziger deutscher Hersteller mit Systemkompetenz hier etabliert hat, ist nicht zuletzt auch der Landesregierung zu verdanken. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit, qualifizierte Fachkräfte und die Bereitschaft, unsere Erfolgsgeschichte gemeinsam fortzuschreiben.

Reparieren statt ersetzen

André Sinanian

André Sinanian

Geschäftsführer MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH

Die MTU Maintenance Berlin-Brandenburg ist mit über 700 Mitarbeitern das Kompetenzzentrum für aus der Luftfahrt abgeleitete Industriegasturbinen, der Spezialist für kleinere und mittlere Triebwerke und betreibt den einzigen Serienprüfstand für den A400M-Antrieb weltweit. Diese Vielfalt an unserem Standort ist unsere Stärke. Die Wahl für Ludwigsfelde ist kein Zufall; Luftfahrt hat hier seit 1936 Tradition. Die MTU ist seit 1991 vor Ort und heute ein leistungsfähiges, hochmodernes und weltweit tätiges Unternehmen. Dafür wurden bereits 200 Mio. investiert und weitere 30 Mio. folgen, um zukünftig stark im Markt aufgestellt zu sein.

 

Auch in Ludwigsfelde spielen Triebwerke eine zentrale Rolle. Am Sitz der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg sind 650 Mitarbeiter und fast 40 Auszubildende u.a. auf die Luftfahrtantriebe des unteren bis mittleren Schub- und Leistungsbereichs spezialisiert. Zudem wird in Brandenburg der Antrieb des neuen Militärtransporters Airbus A400M abschließenden Serienabnahmetests unterzogen und ausgeliefert. Der dortige Prüfstand ist europaweit die einzige Serien-Testeinrichtung für diesen Antrieb und einer der modernsten der westlichen Hemisphäre. Der Standort, der 1991 von der MTU Aero Engines übernommen wurde, blickt bereits auf mehr als 75 Jahre Erfahrung beim Bau und der Instandhaltung von Luftfahrtantrieben zurück.

Luftfahrttechnologie im Herzen der Hauptstadt

Thorsten Pöppel

Thorsten Pöppel

Geschäftsführender Gesellschafter der Holmberg GmbH & Co. KG, Berlin

Holmberg beschäftigt heute rund 130 Mitarbeiter im Berliner Stadtteil Kreuzberg und liefert seit mehr als 60 Jahren Kommunikationsgeräte in alle Programme der Airbus‑Zivilflugzeuge. Im nächsten Jahr feiert Holmberg 100-jähriges Firmenjubiläum. Aufgrund des starken Wachstums haben wir in den vergangenen Jahren einige Bereiche im Unternehmen personell verstärken müssen, um auch neue Projekte bedienen zu können. Der Standort Berlin als weltoffene und multikulturelle Hauptstadtmetropole hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass wir auch hochkarätige Fachkräfte aus anderen Bundesländern für unser Unternehmen gewinnen konnten.

Im Herzen Berlins werden beim Familienunternehmen Holmberg digitale Kommunikationssysteme für die Luftfahrt entwickelt und hergestellt. Darunter fallen insbesondere Geräte für die Kommunikation im Cockpit und in der Kabine. Die Handapparate, Mikrofone und Headsets werden von mehr als 200 Airlines in aller Welt eingesetzt. Das 1957 entwickelte Cockpitmikrofon der Serie 57 ist inzwischen zu einem Klassiker geworden, der sich bei den Piloten ungebrochener Beliebtheit erfreut und immer noch produziert wird. Doch der Mittelständler geht mit der Zeit: Für den Airbus A380 wurde eine neue Generation von digitalen Handapparaten entwickelt, bei der alle Sprach- und Steuersignale digital übertragen werden. Inzwischen fliegt auch die A350 mit digitalen Handapparaten aus Berlin.

Holmberg

Ein echtes Berliner Gewächs ist auch PACE. Am Standort in der Oberbaumcity arbeiten mehr als 70 Ingenieure und Softwareentwickler. Die meisten Fluggäste sind bereits mit der Arbeit der Luftfahrt-Softwareschmiede indirekt in Berührung gekommen. Beispielsweise werden sämtliche zivile Programme von Airbus mit der Kabinenauslegungssoftware Pacelab Cabin vermarktet. Und auf allen Langstreckenflügen der Lufthansa hilft ein Optimierungstool von PACE den Piloten, möglichst kosten- und treibstoffeffizient ans Ziel zu kommen. Die Produktentwicklung setzen konsequent auf Zukunftsthemen. Gegenwärtig liegt der Fokus auf hybrid-elektrischen Antrieben, dem Einsatz von Augmented & Virtual Reality und cloud-basierten Cockpitlösungen.

PACE

Ferne Planeten erkunden

Im 1992 gegründeten Standort Berlin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konzentrieren sich die Forschungsschwerpunkte Weltraum und Verkehr. Beheimatet ist das DLR in Berlin-Adlershof, einem der größten Wissenschafts- und Technologieparks Europas. Der Standort hat sich vor allem durch die Beteiligung an den großen Missionen der Planetenforschung einen Namen gemacht: Cassini-Huygens zum Saturn, die Kometenmission Rosetta und Corot, der Suche nach extrasolaren Planeten.

Die Berliner DLR-Wissenschaftler sind nicht nur an der Planung und Vorbereitung von Weltraummissionen beteiligt, sondern auch an deren Durchführung sowie der Auswertung der wissenschaftlichen Ergebnisse. Dabei widmen sich die DLR-Forscher wichtigen gesellschaftlichen Themen, etwa die Bekämpfung von Waldbränden.

Brände verursachen weltweit fast ein Drittel aller Kohlendioxid-Emissionen und sind zum größten Teil vom Menschen verursacht. Aufgrund steigender Temperaturen nimmt auch die Waldbrandgefahr in aller Welt stark zu. Das DLR hat aus diesem Grund 2016 einen Feuerdetektionssatelliten ins All gestartet, der mittels präziser Feuererkennung für mehr Klimaschutz sorgen soll. Der Satellit, für den das DLR Institut für Optische Sensorsysteme am Standort Berlin-Adlershof verantwortlich ist, fungiert nun als Brandmelder im All.

Innvovationscluster Adlershof und Wildau 

Ebenfalls in Adlershof befindet sich Astrofein – die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Das Unternehmen hat über 20-jährige Erfahrung in der Entwicklung, Herstellung und Testung von Komponenten und Systemen für die Luft- und Raumfahrt. Zu den Schwerpunkten gehört die Kleinsatellitentechnik sowie die Fertigung von Entwicklungs- und Serienteilen für die Triebwerkstechnik. Dabei arbeitet Astrofein eng mit den hier ansässigen Hochtechnologieunternehmen sowie dem erstklassigen wissenschaftlichen Umfeld zusammen.

Ein weiterer Luft- und Raumfahrtcluster ist südöstlich der Hauptstadt in Wildau entstanden. Dank der Technischen Hochschule Wildau – einer der forschungsstärksten Universitäten Deutschlands – sowie dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt, an dem sich bereits mehr als 60 Hightech-Unternehmen etabliert haben, ist Wildau zu einem wahren Innovationsmotor der Hauptstadtregion avanciert. 

Von den exzellenten Rahmenbedingungen am Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau profitiert auch die AneCom AeroTest. Mit mehr als 200 Mitarbeitern bietet das Unternehmen Kunden aus aller Welt umfassende Dienstleistungen zum Testen von Triebwerksbaugruppen.

AneCom AeroTest unterhält in der Hauptstadtregion seit 2002 ein leistungsfähiges Ingenieurbüro und betreibt ein hochmodernes Prüfzentrum mit drei Prüfständen und dazugehörigen Werkstätten. Dort werden aus einer Hand alle notwendigen aerodynamischen und akustischen Tests von Verdichtern, Brennkammern und Turbinen durchgeführt.  

Hightech aus Brandenburg

Wie wertvoll die Zusammenarbeit und die räumliche Nähe von Unternehmen und Universitäten sind, zeigt das Rolls-Royce-University Technology Centre (UTC). Dieses wurde im Jahr 2005 gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gegründet und hat seitdem wertvolle Ergebnisse im Bereich der Gewichtsreduktion und Zuverlässigkeit von Flugzeugtriebwerken erzielt. Damit tragen die Kooperationspartner zu einer erheblichen Verbesserung von Umweltverträglichkeit, Effizienz, Sicherheit und Qualität bei. Ein Beispiel: Gemeinsam realisieren die Partner Virtual Reality im Triebwerksbau. Rolls-Royce hat einen speziell eingerichteten Virtual Reality Raum am Entwicklungs- und Produktionsstandort Dahlewitz errichtet, dessen Konzeption in Kooperation mit der BTU Cottbus-Senftenberg entstand.

BTU Cottbus

Die peiker AVIATRONIC ist ein junges Brandenburger Unternehmen. Das jüngste Mitglied der peiker Firmengruppe, 2017 in Teltow gegründet, hat sich auf die Luftfahrtindustrie spezialisiert. Zu den angebotenen Hightech-Produkten gehören Software, Ausrüstungen für High-End-Akustik und Sprachübertragung sowie Technologien für die Konnektivität an Bord und Boden mit Schwerpunkt auf zukünftige Standards wie WAIC und AeroMACS.

Fachkräftesicherung für die Luftfahrt

Ob Mitarbeiterentwicklung, individuelle Ausbildungskonzepte oder Fachkräftevermittlung – seit der Gründung 1993 – hat sich die TRAINICO GmbH zu einem deutschlandweit wie international anerkannten Partner in allen Fragen der Fachkräftesicherung für die Luftfahrt entwickelt. Neben Angeboten für Neu- und Quereinsteiger deckt der Bildungsspezialist mit seinen Lehrgängen für die Luftfahrttechnik, das Ground Handling und die Passage nahezu den gesamten Bedarf an Qualifizierungsmöglichkeiten für die Luftfahrt ab. Die Lehrgänge können entsprechend der Bedürfnisse der Unternehmen entwickelt und durchgeführt werden. Für Praxisnähe und exzellente Qualität sorgen die hauseigene Lehrwerkstatt mit original Flugzeugtechnik auf 1.500 m2, praxiserfahrene Ausbilder sowie eine intensive Ausbildungsbegleitung.

ILA entwickelt sich zur führenden Innovationsmesse

Angesichts der einmaligen Verbindung von Tradition und Hochtechnologie in der Hauptstadtregion ist es nicht verwunderlich, dass sich die traditionsreichste Luftfahrtausstellung der Welt zur führenden Innovationsmesse der Luft- und Raumfahrt wandelt. Im kommenden April ist es wieder soweit: Bei der ILA 2018 wird sich alles um die neuesten Innovationen und die wichtigsten Zukunftsthemen wie 3-D-Druck, nachhaltiges Fliegen und Industrie 4.0 drehen.

ILA Berlin

„ILA steht heute für Innovation and Leadership in Aerospace. Wir haben die älteste Luft- und Raumfahrtausstellung der Welt ganz bewusst zur führenden Innovationsmesse der Branche weiterentwickelt“, sagt Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Mehr als 1.000 Aussteller werden in der Hauptstadtregion ihr Know-how zeigen – von ziviler Luftfahrt über Verteidigung und Sicherheit bis Raumfahrt, vom Großkonzern bis zum hoch spezialisierten Zulieferer. Berlin-Brandenburg ist somit für die Zukunft der Luft- und Raumfahrt hervorragend aufgestellt.  

Weiterführende Informationen finden Sie auch auf der Website der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz.