Baden-Württemberg: Präzision & Zuverlässigkeit

Stuttgart
Die Luft- und Raumfahrt blickt auf eine über einhundertjährige Tradition im Südwesten der Republik zurück. Namen wie Graf Zeppelin, Ulf Merbold und Ernst Messerschmid sind untrennbar mit Baden-Württemberg verbunden.

Heute ist die Luft- und Raumfahrtindustrie eine Hightech-Schmiede der baden-württembergischen Wirtschaft. Mehr als 15.000 Beschäftigte erwirtschaften im südwestdeutschen Bundesland einen Umsatz von über 4,8 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Gut 40 Prozent aller Beschäftigten der deutschen Raumfahrtindustrie arbeiten in Baden-Württemberg.

Technologieschrittmacher für viele andere Branchen

Mit einer Forschungs- und Entwicklungsintensität von 5,1 % am Bruttoinlandsprodukt gehört Baden-Württemberg zur Weltspitze. Die Luft- und Raumfahrtindustrie hat daran erheblichen Anteil. Sie gibt in der Region sogar 17,5 % ihres Umsatzes für Innovation aus und ist somit seit Jahrzehnten Technologieschrittmacher für viele andere Branchen.
 

Besondere Schwerpunkte liegen in der Raumfahrt, etwa bei wissenschaftlichen Satelliten und Geräten für Telekommunikationssatelliten, in Avionik-Systemen, Radartechnik sowie der Kabinenausstattung von Verkehrsflugzeugen. International führende Unternehmen wie Airbus Defence and Space und die 100-prozentige Tochtergesellschaft Tesat, Airbus Safran Launchers, Thales, Diehl und RECARO, aber auch viele kleine und mittlere Firmen entwickeln und produzieren in Baden-Württemberg Hightech-Lösungen und exportieren diese in die ganze Welt. Im Raum Backnang nordöstlich von Stuttgart hat sich zudem ein Schwerpunkt für Satellitenkommunikationstechnologie entwickelt.

Der Standort Baden-Württemberg

Starker Verbund von Wissenschaft und Wirtschaft
Ein Hochtechnologiestandort lebt vom regen Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Auch im Südwesten schafft die bemerkenswert enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen die Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit der Luft- und Raumfahrt.

Neben der Universität Stuttgart und anderen Hochschulen finden Unternehmen hier ein dichtes Netz aus wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen, insbesondere Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Fraunhofer-Gesellschaft, der Innovationsallianz Baden-Württemberg sowie Max-Planck-Institute.

Allein in Stuttgart befassen sich sechs Forschungseinrichtungen des Deutsches Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit den Schwerpunkten Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit. Und der DLR-Standort Lampoldshausen fasst unter der Bezeichnung „Institut für Raumfahrtantriebe“ Forschung und Versuchsbetrieb von Raketenprüfständen zusammen.


Ideen, die fliegen

Jeder, der häufiger fliegt, ist schon mit Produkten von Diehl in Berührung gekommen. Diehl Aerosystems ist einer von fünf Teilkonzernen der Diehl-Gruppe, einem deutschen Familienunternehmen mit mehr als 16.000 Mitarbeitern. Der Hauptsitz von Diehl Aerosystems im oberschwäbischen Laupheim arbeitet weltweit erfolgreich als Entwickler und Hersteller von Flugzeugkabinen und Systemelementen für die internationale Luftfahrt­industrie.



Heute umfasst der Kompetenzbereich der rund 1.700 Mitarbeiter Ent­wicklung, Design und Produk­tion von Kabinenelementen, einschließlich der Integration von Systemkomponenten wie Inflight-Entertainment, Sauer­stoffsystemen und Elektrik. Der Standort Laupheim liefert Flugzeugkabinen direkt an Fluggesellschaften und an namhafte Flugzeughersteller.

Am Standort in Überlingen am Bodensee entwickeln und produzieren rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter komplexe, sicherheitskritische Avionik- und Steuerungssysteme für Luftfahrzeuge. Hierzu zählen Hochauftriebssysteme, die unter anderem an Bord des Airbus A380, des Airbus A320 und des Airbus A350 XWB eingesetzt werden.

Zu den neuesten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zählt die Energiegewinnung mittels Brennstoffzellentechnologie an Bord von Passagierflugzeugen. Mit einer bisher einzigartigen Technologie können zukünftig etwa Brennstoffzellen die Stromversorgung von Bordküchen und Kabinenfunktionen unterstützen.

Premium-Sensoren für Verteidigung und Sicherheit

Sensortechnologien für Verteidigung und Sicherheit sind die Spezialität des neugegründeten Unternehmens HENSOLDT. Das Unternehmen wurde gebildet aus den Verteidigungselektronik-Aktivitäten von Airbus, die 2017 aus dem Airbus-Konzern ausgegliedert wurden und zusammen mit der früheren Airbus DS Optronics unter dem Namen HENSOLDT als neues Sensorhaus an den Markt gegangen sind.

Der Name HENSOLDT geht zurück auf Moritz Carl Hensoldt, einen deutschen Pionier der Optik und Feinmechanik im 19. Jahrhundert, dessen Name für Premiumlösungen steht, fußend auf Exzellenz, Innovation und Effizienz. HENSOLDT repräsentiert eine über 100-jährige deutsche Technologietradition, indem es die Arbeit von renommierten Vorgängerfirmen wie Telefunken, Dornier, Siemens Sicherungstechnik oder Carl Zeiss Optronics fortführt. HENSOLDT beherrscht die von der Bundesregierung festgelegten nationalen Sensor-Schlüsseltechnologiefelder und trägt so zum Schutz von Soldaten, Sicherheitspersonal und kritischer Infrastruktur bei. Als Technologieführer treibt HENSOLDT Innovationen voran, vor allem im Bereich von hochmoderner Optronik, AESA-Radaren mit elektronischer Strahlschwenkung, intelligenten Störmaßnahmen und Passivradar. Seine Fähigkeiten im Bereich der Multisensor-Integration und Datenfusion helfen Kunden durch die intelligente Kombination unterschiedlicher Sensoren und Effektoren ihre Aufgaben besser zu erfüllen. Ein Beispiel für diese Fähigkeit ist das Drohnenabwehrsystem XPeller, welches bestehende Produkte aus allen drei HENSOLDT Produktlinien (RF-Peiler, Radar, Tag-/Nachtsichtkamera und Störsender) kombiniert und durch Sensorfusion eine Systemlösung zur Drohnenabwehr liefert.

HENSOLDT erzielt mit etwa 4.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 1 Mrd. €.

HENSOLDT

Hochtechnologie aus dem Ländle verbindet Welten

Thales ist ein weltweit führender Technologiekonzern in den Märkten Luft- und Raumfahrt, Transport sowie Verteidigung und Sicherheit. Thales Deutschland mit Sitz in Ditzingen bei Stuttgart beschäftigt rund 3.000 Beschäftigte an insgesamt acht Standorten mit eigener Produktion und Entwicklung. Seit über einem Jahrhundert in Deutschland ansässig, bietet Thales Deutschland seinen Kunden modernste Kommunikations-, Informations- und Steuerungssysteme, Dienstleistungen für einen sicheren Land-, Luft- und Seeverkehr sowie für zivile und militärische Sicherheits- und Schutzanforderungen. Darüber hinaus verfügt Thales Deutschland über ein umfassendes Portfolio von IT-Lösungen für Cybersecurity.

In Ulm entwickelt Thales seit über 40 Jahren u. a. Systemlösungen im Bereich von Wanderfeldröhren für Raumfahrtanwendungen, die heute an Bord der meisten Satelliten zum Einsatz kommen. Darüber hinaus befindet sich in Ulm das Kompetenzzentrum der Thales-Gruppe für Raumfahrtkomponenten und Subsysteme. Hier werden hochwertige Produkte für den Einsatz an Bord von Satelliten für die Telekommunikation und für Multimedia-Anwendungen, aber auch für den militärischen Gebrauch in Radaranlagen oder Flugkörpern, entwickelt und produziert.

Im Bereich Satellitenantriebe wird derzeit aus Vision Realität. Bei Thales in Ulm wurde ein bahnbrechender Ionenantrieb für Satelliten erfunden, der sich dort momentan in der heißen Testphase befindet. 

Thales Alenia Space Deutschland GmbH, ebenfalls ansässig in Ditzingen bei Stuttgart, zählt zu den vierzehn Niederlassungen des europäischen Thales Alenia Space Netzwerkes. Der Standort ist auf große, komplexe Bodenstationen sowie innovative Satelliten-Nutzlasten spezialisiert. Zudem beinhalten die Aktivitäten die Entwicklung und Herstellung von Testplattformen, elektrischen Bodengeräten und Simulatoren. Darüber hinaus entwickelt Thales Alenia Space Deutschland neue Technologien für weltraumgestützte Luftraumüberwachung.

Dreh- und Angelpunkt für Satellitentechnologie

Bei Airbus ist der Standort Friedrichshafen mit seinen rund 2000 Mitarbeitern seit mehr als fünf Jahrzehnten Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung und den Bau von Satelliten, Instrumenten und Komponenten zur wissenschaftlichen Erforschung des Weltalls, der Erdbeobachtung und der Meteorologie sowie von Experimentieranlagen zur Forschung unter Schwerelosigkeit. Ferner werden Kommando- und Kontrollsysteme sowie Sicherheitssysteme und mobile Systeme entwickelt und produziert. Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich der weltraumgestützten Aufklärung gehören ebenfalls zum Portfolio des Standortes.

Airbus investiert aktuell 43 Millionen Euro in ein neues Technologie-Zentrum für den Satellitenbau in Friedrichshafen. Schwerpunkt sind höchst ambitionierte Projekte der EU und der ESA. Aktuell entwickelt Airbus die zweite Generation der Wettersatelliten MetOp, die ab 2021 an den Start gehen wird. Zudem baut Europa mit dem Copernicus-Programm das erste Umweltbeobachtungsprogramm der Erde auf. Friedrichshafen spielt dabei eine Schlüsselrolle: Hier werden die Multispektral-Satelliten Sentinel-2 des Programms sowie die Ozeanografie-Satelliten Sentinel-) gebaut. Mit dem Radar-Instrument für Sentinel-1 liefert Airbus Friedrichshafen eine weitere Schlüsselkomponente für Copernicus.

Mit der europäisch-japanischen Merkur-Mission BepiColombo (Stert 2018) arbeitet der Airbus-Standort an der Spitze der wisssenschaftlichen Weltraumerkundung.

Neben der Raumfahrt ist der Bereich Communications, Intelligence & Security zweites wichtiges Standbein von Airbus in Friedrichshafen.

Standort TESAT

Tesat-Spacecom (Tesat) ist eines der größten Raumfahrtunternehmen Deutschlands sowie Weltmarktführer für nachrichtentechnische Geräte und Subsysteme für die Satellitenkommunikation. Mehr als die Hälfte aller Telekommunikations-Satelliten im Orbit verfügt über Tesat-Geräte. Daran hat der Standort Backnang bei Stuttgart erheblichen Anteil. Dort entwickeln, fertigen und vertreiben rund 1200 Mitarbeiter Systeme und Geräte für die Telekommunikation via Satellit, die an alle führenden Satellitenhersteller weltweit geliefert werden. Damit bietet Tesat die gesamte Kommunikationstechnik, die notwendig ist, um Fernsehsignale über die Antennen eines Satelliten in jeden Haushalt abzustrahlen. Bis heute hat das Unternehmen mit seiner fünfzigjährigen Erfahrung fast 700 Raumfahrtprojekte erfolgreich durchgeführt. Insgesamt können die Geräte des Weltmarktführers – es werden etwa 1500 pro Jahr hergestellt – bereits über 250.000.000 Stunden In-Orbit-Lebensdauer aufweisen.

Das vergangene Jahr war voller Höhepunkte für Tesat. Ende 2016 fiel der Startschuss für den weltweit ersten kommerziellen Datenrelaisdienst „SpaceDataHighway“, der eine neue Ära der Satellitenkommunikation einleitet. Das Programm basiert auf einer Partnerschaft zwischen ESA und Airbus Defence und Space. Die nach Science Fiction klingenden „Laser Communication Terminals“ (LCTs) von Tesat stellen die Schlüsseltechnologie für diesen Relaisdient dar. Einsatz finden die „Sentinels“ unter anderem im Bereich der Koordination von Hilfsmaßnahmen in Krisengebieten, der Seenotrettung und dem Umweltschutz.

Darüber hinaus steuerte das Unternehmen bedeutende Komponenten zur europäischen ExoMars-Mission bei. Auch NASA baut auf die Technologie aus Baden-Württemberg: Tesat-Verstärker sollen auf einer im September gestarteten, circa 6,5 Jahre langen Mission zum Asteroiden Bennu für die problemlose Übertragung der Funksignale sorgen. Darüber hinaus hat Tesat bei der Anwendung von additiven Fertigungstechniken, dem so genannten 3D-Druck, Pionierarbeit für die Herstellung von Mikrowellenkomponenten geleistet.

Der Weltraum fordert heraus

Überaus erfolgreich in der Raumfahrt ist auch die von Hoerner & Sulger GmbH (vH&S). Seit 1971 baut das Unternehmen an seinem Standort in Schwetzingen bei Heidelberg Instrumente für die Forschung im Weltraum. Mit ihren 20 hochspezialisierten Mitarbeitern war die Firma bereits an 16 Experimenten im Weltraum sowie 34 Raketenexperimenten beteiligt. Oft geht es darum, Laborgeräte, die einen ganzen Labortisch füllen, auf wenige kg und ein paar Watt Leistung zu reduzieren. Als eines der Highlights entstand auch das Experiment COSIMA unter der leitenden Hand von vH&S. COSIMA hat auf dem Satelliten ROSETTA den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko besucht und dort Staub in der unmittelbaren Umgebung des Satelliten untersucht.

Wichtiger Partner der Bundeswehr

Diehl Defence mit Hauptsitz in Überlingen bündelt die Geschäftsaktivitäten der Diehl-Gruppe in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit. Das Unternehmen ist bereits seit Jahrzehnten wichtiger Partner der Bundeswehr. Mit der Entwicklung und Fertigung moderner Lenkflugkörper und Munition für Heer, Luftwaffe und Marine sowie mit Systemlösungen für die bodengebundene Luftverteidigung zählt Diehl Defence zu den Technologieführern am Weltmarkt. Die Beteiligung an der Entwicklung und Herstellung von Hochleistungs-Infrarotmodulen, Zündern und Zündsystemen sowie Spezialbatterien sorgt für die notwendige Unabhängigkeit Deutschlands im Bereich kritischer Schlüsselkomponenten.

RECARO

Zulieferer von Weltruf

Als Entwickler und Hersteller von innovativen Flugzeugsitzen für Economy und Business Class hat sich RECARO Aircraft Seating einen Namen gemacht. Das global agierende Unternehmen mit Stammsitz in Schwäbisch Hall, wo über die Hälfte der weltweit 2000 Mitarbeiter tätig sind, blickt auf eine mehr als hundertjährige Tradition im mobilen Sitzen zurück. Heute zählt RECARO Aircraft Seating zu den Top drei Flugzeugsitzlieferanten weltweit. Unter den Kunden finden sich die führenden Flugzeughersteller sowie mehr als 100 internationale Airlines.

Mit 140 Mitarbeitern am Standort Markdorf am Bodensee entwickelt und produziert die ZIM Flugsitz GmbH qualitativ hochwertige, langlebige und leichtgewichtige Flugzeugsitze. Die Flugzeugsitze werden speziell für die Anforderungen der internationalen Airlines entwickelt und zeichnen sich durch einen hohen Grad an innovativen Materialien und Techniken aus.

Rockwell Collins Deutschland mit Firmensitz in Heidelberg beschäftigt ca. 400 Mitarbeiter. Aufbauend auf fünfzig Jahren Erfahrung liegen die Kernkompetenzen des Unternehmens in Entwicklung, Herstellung, Systemintegration, Vertrieb, Wartung und Instandhaltung von Kommunikations- und Navigationsgeräten, sowie Flugregel- und Wetterradarsystemen, Missionsrechnern und Ausrüstung für militärische und zivile Anwendungen.

Weiterführende Inforationen finden Sie auch auf der Website des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg.