KW 34/2016

Weltpremiere: Gigantischer Tintenstrahldrucker bedruckt Flugzeuge

Direct Printing (© Airbus)
Direct Printing (© Airbus)
3D-Druck ist derzeit in der Luftfahrt eines der ganz heißen Innovationsthemen. Doch nun macht auch der traditionelle 2D-Druck wieder von sich Reden – zum Bedrucken von Flugzeugteilen.

Das Seitenleitwerk eines Flugzeugs dient nicht nur der Stabilität und der Steuerung – es trägt auch das Logo der Fluggesellschaft und ist damit ihr auffälligstes Aushängeschild am Boden und in der Luft. Flugzeuglackierer tragen hier oft komplexe und große Bilder auf, was großes handwerkliches Können und erheblichen Zeitaufwand erfordert.

„Alle bisherigen Verfahren haben Vorteile und Nachteile. Bedruckte Folien sind teuer und haben eine begrenzte Lebensdauer. Airbrush ist zeitaufwendig und schwer reproduzierbar. Und Lackierung mit Schablonen ist mit vielen Arbeitsschritten, hohen Kosten und begrenzter Designfreiheit verbunden“, erläutert Ralph Maurer, Leiter der Lackierhallen für die A320-Familie bei Airbus in Hamburg. 

Die Entwickler und Lackierexperten von Airbus in Hamburg haben jetzt eine neue Methode entwickelt, die nicht nur Farbe und Zeit spart, sondern gleichzeitig eine detailliertere Darstellung und sogar die Reproduktion von Fotomotiven oder Kunstwerken erlaubt. „Wir haben uns gefragt: Wie können wir die Vorteile der bestehenden Verfahren kombinieren, die Nachteile vermeiden und das Verfahren gleichzeitig wirtschaftlicher gestalten“, so Ralph Maurer. 

Möglich wird dies durch den Einsatz eines riesigen Tintenstrahldruckers, der eine Fläche von sieben mal sieben Metern bedrucken kann. „Die Idee kam uns in Japan, wo die Technologie an LKW und Bussen eingesetzt wird. Eine kleine japanische Firma stellt Tintenstrahldrucker für diesen Zweck her. Wir haben sie kontaktiert und dort einen speziellen Drucker für die Seitenleitwerke unserer Flugzeuge in Auftrag gegeben.“

Der Seitenleitwerks-Drucker bringt einen doppelten ökologischen Nutzen: Statt mehrerer Kilo Farbe wird für das gesamte Bauteil dank der innovativen „Direktdrucktechnologie“ nur noch ein halber Liter Tinte benötigt. Auch Folie und andere Materialien können eingespart werden. Darüber hinaus führt der geringere Materialeinsatz zu einer Gewichtsersparnis von bis zu 5 kg pro Flugzeug. Ein kleiner Effekt mit großem Nutzen, da jedes eingesparte Kilo im Laufe eines Flugzeuglebens etliche Tonnen Kerosin und somit Emissionen vermeidet.

„Auch wirtschaftlich ist der Direktdruck ein voller Erfolg“, fügt der Airbus-Manager hinzu. „Das neue Verfahren beschleunigt den Lackierprozess um einen Tag.“ Angesichts der geplanten vierten Endmontagelinie für die A320-Familie in Hamburg ist eine schnellere Lackierung ein weiterer Baustein, zukünftig noch mehr Flugzeuge in der Hansestadt bauen zu können. Bereits heute wird jedes sechste auf der Welt hergestellte Passagierflugzeug in der norddeutschen Metropole ausgeliefert. 

Das weltweit erste Flugzeug mit einem direkt bedruckten Seitenleitwerk wurde im März 2016 an Thomas Cook übergeben. Für Maurer nur der erste Schritt. „Wir sehen das Direktdruckverfahren als wichtigen Schritt hin zur Fabrik der Zukunft. Langfristig können wir uns vorstellen, ganze Flugzeuge digital mit dem Direktdruckverfahren zu bedrucken. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.“