KW 04

Spürhund für Drohnen

Sicherheitskräfte sehen alle identifizierten Drohnen auf einem Bildschirm.
Sicherheitskräfte sehen alle identifizierten Drohnen auf einem Bildschirm.
Empfängt Angela Merkel die Staatsoberhäupter der G7- oder G20-Staaten in Deutschland, sind alle Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. Kann auch kein Unbefugter in die Nähe gelangen? Sind alle Beteiligten sicherheitsüberprüft? Wird der Luftraum überwacht? Inzwischen muss dabei auch eine neue Gefahr bedacht werden: Kommerzielle Kleindrohnen könnten unbemerkt auf ein abgesperrtes Gebiet gelangen und Schaden anrichten.

Schätzungsweise 400.000 privat genutzte Droh­nen gibt es in Deutschland aktuell. Sie sind auf jedem freien Markt verfügbar, praktisch jeder kann sie erwerben; ein Missbrauch ist schwer auszuschließen. Die möglichen Bedrohungs­szenarien sind vielfältig: von Provokationen im öffentlichen Raum über die Ausspähung geheimer und sensibler Informationen bis hin zu terroristischen Handlungen.

Sollen Großveranstaltungen geschützt wer­den, stehen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vor der Frage: Wie können die teils wenige Zentimeter großen Flugkörper in einem riesigen, mitunter wenig überschaubaren Gebiet rechtzeitig entdeckt werden? Und wie können sie im Ernstfall gezielt und unverzüglich unschädlich gemacht werden?

DIE NADEL IM HEUHAUFEN FINDEN

Antworten auf diese Fragen kommen unter anderem aus dem bayerischen Fürstenfeldbruck. Das Unternehmen ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH hat gemeinsam mit Partnern aus Deutschland und Europa ein modulares Drohnenabwehr­system entwickelt (GUARDION). In einem Radius von 1.000 Metern spürt das System unbemannte Luftfahr­zeuge und die dazu gehörenden Steuerer auf – eine Aufgabe, die der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht.

Mehrere Mechanismen führen dabei zum Erfolg. Erstens: Drohne und Fernbedienung kommu­nizieren miteinander. Die Funksignale sind zwar nicht zu sehen, wohl aber von speziellen Sensoren zu erkennen. So können Drohne und Pilot eindeutig zugeordnet werden. Zweitens: Ein Radar erfasst in dem Gebiet alle bewegten Objekte und kann Drohnen automatisch identifizieren und etwa von Vögeln unterscheiden. Keine Drohne bewegt sich unentdeckt. Und drittens: Mikrofone und Kameras ermitteln noch exakter die Bewegun­gen des Flugkörpers.

Die zuständigen Sicherheitskräfte erhalten die gesammelten Informationen auf einem Bild­schirm übersichtlich dargestellt – und wissen so immer, wo sich Drohnen und deren Piloten befinden. Im Ernstfall können sie organisatorische Sicherheitsmaßnahmen einleiten oder beispielsweise die Funkverbindung zwischen Flugobjekt und Fernsteuerung kappen – dadurch landet die Drohne automatisch oder fliegt zu ihrem Start­punkt zurück.

TECHNIK AUS DEM KLEINBUS

„Die Anforderungen beim Schutz von Großveran­staltungen sind ausgesprochen komplex“, sagt Christian Jaeger von der ESG. „Unser modulares Drohnenabwehrsystem bietet die notwendigen Technologien und ist auf die spezi­fischen Bedürfnisse der Kunden anpassbar.“ Auf diese Weise schützt das System Gebäude wie Tagungshotels ebenso effizient und effektiv wie auch Außenbereiche oder ganze Stadien. So groß die Wirkung, so klein das System: Die Technik passt in einen Kleinbus und kann so kurzfristig an einen anderen Ort verlegt werden.

Christian Jaeger ergänzt: „Wenn der amerika­nische Präsident Deutschland besucht oder zigtausend Fußballbegeisterte auf der Fan­meile feiern, werden diese Großereignisse von komplexen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Drohnenabwehr ist dabei ein integraler Teil und muss im Zusammenspiel mit anderen Techni­ken reibungslos funktionieren. Unser System gewährleistet das und kann leicht in bestehende Sicherheitskonzepte integriert werden.“

GUARDION, das modulare Drohnenabwehrsystem der ESG und ihrer Partner, wurde u.a. auf dem G7-Gipfel in Elmau 2015, während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama auf der Hannover Messe 2016 sowie dem G20-Gipfel 2017 oder der ILA Berlin  2018 vom Bundeskriminal­amt eingesetzt.