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Schutzschild für die Bundeswehr

Per Laserstrahl lenkt das Abwehrsystem von Diehl Defence und Elbit feindliche Rakete ab.
Per Laserstrahl lenkt das Abwehrsystem von Diehl Defence und Elbit feindliche Rakete ab.
Montag, 8:36 Uhr Ortszeit in Mazar-e-Sharif, Afghanistan. Der neueste Militärtransporter A400M der Bundeswehr setzt zur Landung auf der staubigen Piste an. An Bord: Gut 20 Tonnen Ausrüstung und Lebensmittel für den deutschen Stützpunkt – sowie 37 Soldaten, die aus dem Heimaturlaub zurückkehren. Bei derartigen Einsätzen in Krisengebieten muss das Transportflugzeug gegen etwaige Angriffe geschützt sein. Das in Überlingen am Bodensee beheimatete Unternehmen Diehl Defence hat ein modernes aktives Schutzsystem entwickelt.

Besonders gefährdet ist der Transporter während Starts und Landungen, denn er fliegt dann vergleichsweise langsam und nahe dem Boden. Gelangt etwa ein Angreifer nahe genug an die Startbahn heran, kann er das Flugzeug mithilfe einer Flugabwehrrakete zum Absturz bringen. Diese Waffen sind weit verbreitet und können vergleichsweise einfach durch eine einzelne Person bedient werden. Nach Abschuss bleiben dem Abwehrsystem nur Millisekunden, um das Geschoss außer Gefecht zu setzen.

Schutz von Leib und Leben gegen neue Gefahren

Das von Diehl Defence gemeinsam mit dem israelischen Hersteller Elbit Systems entwickelte System kann genau das. Das sogenannte DIRCM (Directed Infrared Counter Measure) erkennt einen feindlichen Flugkörper, blendet dessen Suchkopf mithilfe eines Laserstrahls und lenkt ihn von seiner ursprünglichen Flugbahn ab. Die Hightech-Sensoren sind an verschiedenen Stellen des Luftfahrzeuges angebracht und gewährleisten somit in Kombination mit dem Laser einen effektiven 360-Grad-Rundumschutz. Ein vergleichbares System schützt auch etwa die Maschinen der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums, welche von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen hochrangigen Regierungsmitgliedern genutzt werden.

Bislang eingesetzte Abwehrsysteme – wie sie etwa auf der Transall installiert sind – haben ein geringeres Schutzniveau: Erkennen sie eine feindliche Rakete, senden sie einen sogenannten Täuschkörper aus. Die Rakete lenkt dann auf diesen Täuschkörper um, das Flugzeug bleibt verschont. Allerdings: Moderne Waffensysteme durchschauen den Trick und ignorieren den Täuschkörper. DIRCM bietet auch Schutz gegen diese Bedrohungen der neuesten Generation.

Eine Technik – viele Einsatzmöglichkeiten

Die Systeme der DIRCM-Familie können neben dem A400M auch andere Flugzeuge wie Tanker oder Seeaufklärer schützen. Zudem entwickeln Diehl Defence und Elbit derzeit ein leichtes Laser-Schutzsystem für Hubschrauber. Und die Einsatzmöglichkeiten beschränken sich nicht nur auf den militärischen Bereich: Auch Zivilmaschinen – etwa für den Transport hochsensibler Güter oder für Flüge in Krisengebiete – können mit einer angepassten Version von DRICM ausgestattet werden.