KW 19/2018

Roboter entlasten Ingenieure

AutoInspect: Digitale Befundung von Triebwerksteilen
AutoInspect: Digitale Befundung von Triebwerksteilen
Sicherheit im Flugverkehr geht vor. Flugzeuge werden daher regelmäßig und umfangreich überprüft und gewartet. Für die Fluggesellschaften ist dabei Zeit bares Geld: Denn nur mit Flugzeugen, die sich in der Luft befinden, wird Geld verdient. Standzeiten sollen möglichst vermieden, Reparaturen in den nächtlichen Betriebspausen erledigt werden. Das Hamburger Unternehmen Lufthansa Technik AG (LHT) hat hier einen Durchbruch erzieht: Künftig inspizieren und reparieren Roboter Triebwerksbauteile. Sie beschleunigen die Prozesse, sind zuverlässig – und entlasten die Mitarbeiter.

Bislang wurden Flugzeugtriebwerke ausschließlich manuell auf Schäden inspiziert. Auch die Reparaturen wurden manuell erledigt. Der Aufwand, um selbst kleine Risse zu finden – mit bloßem Auge manchmal nicht erkennbar –, war immens und langwierig. Und die Reparaturarbeiten für die Techniker waren teilweise ergonomisch belastend, da viele Stellen am Bauteil schwer zugänglich sind. Lufthansa Technik hat in den Projekten AutoInspect und AutoRep innovative Verfahren entwickelt, die bei diesen Arbeiten unterstützen.

Schneller, ergonomischer, zuverlässiger

Das Stichwort hier heißt Automatisierung. Über vier Jahre hinweg hat LHT in einem ersten Schritt ein automatisches Inspektionsverfahren entwickelt. Von einem Roboter geführt und mithilfe moderner optischer Messtechnik erfasst es Schäden und Verformungen an Triebwerksteilen und dokumentiert diese. In einem zweiten Forschungsprojekt hat das Unternehmen dann zwei Reparaturroboter konzipiert. Sie übernehmen die Daten aus der Inspektion und führen erforderliche Reparaturmaßnahmen teilautomatisiert durch. Dabei fräst ein Roboter die betroffene Stelle zunächst aus und ein zweiter Roboter schweißt dann ein exakt passendes sogenanntes Patch – eine Art Flicken.

Im Ergebnis kann die Kernreparatur – vom Erkennen eines Schadens bis zur Reparatur – von Robotern in einer einzigen, teilautomatisierten Prozesskette abgewickelt werden. Lediglich seltene und komplexe Schäden werden auch in Zukunft von Spezialisten manuell erledigt, beispielsweise das Einsetzen großflächiger Patches an Brennkammerbauteilen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Reparaturen können schneller ausgeführt werden, die Produktivität der Wartungsteams steigt und die Qualität ist höher. Und die Mitarbeiter werden von monotonen Routinearbeiten und ergonomischen Belastungen befreit.

Das automatische Inspektionsverfahren ist seit 2017 industrialisiert. Mitte 2018 soll die gesamte automatisierte Prozesskette inklusive automatisierter Reparatur folgen. Dabei sollen die Technologien auch weiterentwickelt werden, um sie künftig für weitere Bauteile anwenden zu können.