KW 40

Kabel aus dem Tintenstrahldrucker

Stromkreisläufe aus dem Tintenstrahldrucker revolutionieren die Elektrik im Flugzeug.
Stromkreisläufe aus dem Tintenstrahldrucker revolutionieren die Elektrik im Flugzeug.
Rund einhundert Kilometer Kabel durchziehen ein Mittelstreckenflugzeug wie die A320 – das entspricht der 250-fachen Länge des Flugzeuges. Tausende Kabelstränge müssen teils umständlich verlegt werden, Änderungen sind zu einem späteren Zeitpunkt nur mit erheblichem Aufwand möglich. Und Kabel machen einen großen Anteil des Gewichts eines Fliegers aus. Airbus in Hamburg will mit einer smarten Innovation die Elektrik in Flugzeugen revolutionieren.

Eine dünne Folie, ein Tintenstrahldrucker, eine mit Silberpartikeln versetzte Tinte – mehr braucht es nicht. Der Drucker bringt feine Linien auf die Folie auf, das Silber in der Tinte macht die Linien leitfähig. Zum Schutz wird anschließend eine dünne Lackschicht aufgetragen. Das Ergebnis ist eine Elektrik-Folie, die sich nahezu jeder Struktur anpasst und flexibel verlegt werden kann. Die Vision: Eines Tages ersetzt die Folie die Kabelbündel in der Flugzeugkabine. Auf Oberflächen in und außerhalb der Kabine angebracht, könnten darüber etwa die Beleuchtung oder die Ventilatoren individuell mit Strom versorgt werden.

Schneller, einfacher, flexibler

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die gedruckten Stromleitungen sind so einfach herzustellen wie ein Wandposter. Die dünnen Folien sparen vor allem erheblich an Platz und Gewicht – für die Luftfahrt, die sich ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt hat, von großer Bedeutung. Hinzu kommt: Ändern sich Kundenwünsche an der Kabine zu einem späten Zeitpunkt, können einfach die Folien am entsprechenden Kabinenbauteil ausgetauscht werden. Im Juni 2017 wurde das wegweisende Projekt daher mit dem „Innovationspreis der deutschen Luftfahrt“ ausgezeichnet.

Den ersten Demonstrator dieser Elektrik-Folie hat Airbus gemeinsam mit der Firma Altran,, einem Spezialisten für elektronische und digitale Technologien in der Luftfahrt, entwickelt und erfolgreich getestet. Dabei haben die Partner das gebündelte Luftfahrt-Knowhow in Hamburg genutzt und auf einen engen Schulterschluss von Wissenschaft und Wirtschaft gesetzt. Deshalb ist das Projekt im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) angesiedelt. Das ZAL ist eine einzigartige Kooperation unter anderem von Airbus, Lufthansa, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie vier Hamburger Hochschulen.

Weitere Demonstratoren sind nun gemeinsam mit den Fraunhofer Instituten Bremen und Chemnitz in Arbeit. Dort entstehen derzeit großflächige Kunststofffolien für die Kabinenwand, die mit einem Muster aus Stromkreisläufen bedruckt sind.