KW 44

Grüner Fliegen: Biokerosin aus Algen

Dipl. Ing. Andreas Apel im neuen Algentechnikum (Foto: Andreas Heddergott/TUM)
Dipl. Ing. Andreas Apel im neuen Algentechnikum (Foto: Andreas Heddergott/TUM)
Algen sind sehr robuste aquatische Organismen die in fast allen Umweltnischen wachsen können. Selbst extreme Umweltbedingungen können nun erstmalig in einem Hightech-Gewächshaus der Technischen Universität München simuliert werden. Das Ziel: Treibstoff aus Algen zu gewinnen.

Bereits 2010 haben Ingenieure der Airbus Group nachgewiesen, dass Flüge mit reinem Algentreibstoff machbar sind. Algen bieten als Grundlage für Biokerosin zahlreiche Vorteile: sie wachsen schnell, stehen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und benötigen weder Pestizide noch fruchtbaren Boden. 

Aus diesen Gründen hat die Technische Universität München in Kooperation mit der Airbus Group auf dem Ludwig Bölkow Campus in Ottobrunn südlich von München 2015 ein weltweit einmaliges Technikum für die Algenzucht eröffnet. Hier sollen effiziente Verfahren zur Produktion von Biokerosin entwickelt werden, welche die Emissionen des Luftverkehrs langfristig erheblich reduzieren könnten. Im Jahre 2050 wird eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 75% im Vergleich zu 2005 angestrebt.

Das 1500 Quadratmeter große Gebäude beherbergt drei Räume zur Algenkultivierung. Die Fassade besteht aus Spezialglas, das auch UV-Strahlung passieren lässt. Die Besonderheit: Eine ausgefeilte Klimatechnik sorgt dafür, dass sowohl tropische als auch sehr trockene Klimabedingungen erzeugt werden können. So lassen sich die Bedingungen für praktisch jeden Ort auf der Welt simulieren.

„Niemand kann voraussagen, ob eine Alge aus der Südsee unter den Lichtbedingungen in Deutschland genauso produktiv ist wie in ihrer Heimat“, Professor Thomas Brück, Professor für Industrielle Biokatalyse an der Technischen Universität München. „Genauso wenig weiß man, ob hier in Bayern erfolgreiche Kandidaten unter den Lichtbedingungen der Sahara noch genauso erfolgreich wären. All dies können wir jetzt in unserem Technikum testen.“

„Während bei der Produktion von Biokraftstoff aus Mais eine problematische Konkurrenz zwischen Teller und Tank besteht, wachsen Algen auch in Salzwasser; sie brauchen keinen fruchtbaren Boden und keine Pestizide“, so Professor Brück. „Trotzdem können sie einen bis zu zehn Mal höheren Ertrag pro Hektar und Jahr liefern.“

Das Technikum ist ein wesentlicher Baustein des vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie geförderten Projekts „AlgenFlugKraft“. Die Kosten von etwas mehr als 10 Millionen Euro teilen sich die Airbus Group und das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.