KW 18/2019

Forschungsadresse Mond – für ein besseres Leben auf der Erde

Entwurf des ersten einsatzfähigen Habitats auf dem Mond
Entwurf des ersten einsatzfähigen Habitats auf dem Mond
Projekte auf dem Mond sind nach wie vor Science Fiction pur. Oder wie sonst sollte man die Idee eines Dorfes auf dem Himmelskörper beschreiben? Genau daran arbeitet die europäische Raumfahrt: In den kommenden 20 Jahren will sie mit dem Moon Village auf dem Mond einen Ort erschaffen, auf dem Forscher dauerhaft leben und forschen. Das Ziel wiederum ist höchst irdisch: Die Ergebnisse sollen dabei helfen, das Leben in der Heimat zu verbessern. Das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen entwickelt unter der Projektleitung von Dr. Christiane Heinicke den weltweit ersten Prototypen einer einsatzfähigen Station, die das Leben und Forschen auf dem Mond möglich macht.

Kein leichtes Unterfangen

Die technischen Ansprüche in der lebensfeindlichen Umgebung sind enorm: Die Station auf dem Mond muss dem Ultrahochvakuum standhalten können und Temperaturschwankungen von minus 160 bis plus 130 Grad Celsius aushalten. Sie muss ihre Bewohner vor der gefährlichen kosmischen Strahlung bewahren und zugleich eine autarke Lebenserhaltungs- und Energieversorgung ermöglichen – und das für mehrere Monate oder sogar Jahre. Hinzu kommt: Damit Astronauten lange Zeit auf der Station leben und arbeiten können, muss diese auch einen lebenswerten Raum bieten. Andernfalls steigt die Gefahr, dass die Menschen vor Ort psychische Probleme bekommen.

Forschung in neuer Dimension

Weltweit gibt es aktuell rund ein Dutzend Teststationen, die in erster Linie dazu dienen, den psychischen Zustand der Bewohner in einem extrem beengten Raum zu untersuchen sowie organisatorische Abläufe zu testen. Für den Einsatz außerhalb der Erde sind sie jedoch ungeeignet. Die Bremer Forscherin möchte im Projekt MaMBA (Moon and Mars Base Analog) in den kommenden Jahren eine Station bauen, die mehrmonatige Aufenthalte auf dem Mond ermöglicht. Der Fokus des Projekts liegt auf der technologischen Umsetzung, insbesondere auf dem Zusammenspiel der einzelnen Untersysteme. Derzeit wird das wissenschaftliche Modul der Station entwickelt, das unter anderem geologische und materialwissenschaftliche Untersuchungen direkt vor Ort ermöglichen soll. Beispielsweise sollen in dem Labor Proben des Mondgesteins untersucht werden, um die Entstehungsgeschichte unseres Trabanten besser nachvollziehen zu können.

Das Labor ist Teil eines unterirdischen Lebensraums auf dem Mond. Insgesamt besteht er aus fünf bis sechs miteinander verbundenen  Modulen, ergänzt durch zwei Luftschleusen, durch die man nach draußen gelangt. Jedes Modul dient einem eigenen Zweck, beispielsweise wird es ein eigenes Schlaf- sowie ein Labormodul geben. Die Module haben die Form eines Zylinders mit abgerundeten Eckkappen, messen im Durchmesser fünf Meter und sind etwa sechs bis sieben Meter hoch. Während die Arbeitsmodule zweigeschossig aufgebaut sind, sollen Freizeitmodule nur eingeschossig, dafür aber mit hoher Deckenhöhe sein. Bis zu sechs Personen werden in dem Habitat arbeiten und leben können.

Erkenntnisse für das Leben auf der Erde

Das Projekt wird für das Leben auf der Erde wichtige Erkenntnisse liefern. Denn für eine lebenswerte Station auf dem Mond sind ähnliche Herausforderungen zu bewältigen wie auf der Erde, etwa begrenzte Ressourcen sowie eine autarke Energieversorgung und -speicherung. Allerdings unter verschärften Bedingungen – was wiederum inspirierend für neue Lösungen auf der Erde wirken wird.

Bis Mitte 2019 wird das  erste MaMBA-Modul in einer Testversion aufgebaut, das aber technisch noch nicht „mondtauglich“ sein wird. Vielmehr soll in einer Simulation mit einer Crew untersucht werden, ob die Architektur, das Design und die Anordnung der Laborarbeitsplätze passgenau auf die realen Abläufe des Forschungsalltags abgestimmt sind. Wichtige weitere Ausbauschritte werden in den kommenden Jahren die Konzeption der Luftschleuse und des autarken Lebenserhaltungssystems sein.

Christiane Heinicke leitet das Projekt MaMBA am ZARM.