KW 36/2016

Fliegen neu denken: Die digitale Airline

(Foto: Boeing Digital Aviation Research)
(Foto: Boeing Digital Aviation Research)
Keine Frage, die Umweltverträglichkeit des Luftverkehrs muss weiter zunehmen. Die Hersteller arbeiten fieberhaft an leichteren Materialien, effizienteren Triebwerken und ausgefeilterer Aerodynamik. Mit beachtlichem Erfolg: Lärm und Emissionen pro Passagier und Kilometer sind seit 1970 bereits um etwa drei Viertel zurückgegangen. Doch wie geht es angesichts der wachsenden Mobilität in aller Welt weiter? Wie kann die Branche sicherstellen, dass die Emissionen des Luftverkehrs in den kommenden Jahrzehnten insgesamt sinken?

Kontinuierliche Verbesserungen werden weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Gleichzeitig braucht es revolutionäre Ansätze wie 3D-Druck, elektrische Antriebe – und Digitalisierung.

„Digitalisierung eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten, Luftverkehr neu zu denken“, so Dr. Niels Stark von der Boeing-Tochter Jeppesen. „Dank Big Data stehen jeder Fluggesellschaft theoretisch unvorstellbar große Mengen an Daten zur Verfügung. Die Herausforderung ist nur: Wie kann ich mir diese Datenflut zu Nutze machen, so dass sich Lärm, Emissionen und Kosten senken lassen? Die Airlines sitzen auf einem Schatz. Wir wollen ihnen helfen, diesen zu heben.“

Das Boeing Digital Aviation Forschungsteam arbeitet mit Hochdruck an der „Digitalen Fluglinie der Zukunft“. In seinen weltweit eingerichteten „Innovation Labs“ – eines davon befindet sich in Neu-Isenburg bei Frankfurt – baut Boeing dazu eine fiktive Fluglinie namens „Atlantis Airlines“ auf, die über eine Flotte von 59 simulierten Maschinen und einem realen Boeing Testflugzeug verfügt, das Teil des Boeing „ecoDemonstrator“ Programms ist. Die Boeing und die 59 virtuellen Flugzeuge werden über moderne IT-Systeme mit allen Bereichen der fiktiven Fluggesellschaft vernetzt.

„Ziel der Vernetzung ist die Aufbereitung einer immer größer werdenden Datenmenge und deren Veredlung zu intelligenten Informationen, die Management, Piloten und Bodenpersonal nutzen können, um bessere Entscheidungen zu treffen“, führt Dr. Stark aus. Ein Beispiel: Namhafte Fluggesellschaften bieten täglich mehr als eintausend Flüge an. Eine gewaltige Herausforderung ist es dabei, aus einer Flotte von mehreren hundert Flugzeugen für jede Strecke das optimale Luftfahrzeug zu identifizieren und dann mit der exakt kalkulierten Menge Treibstoff auf die perfekte Route zu bringen. Diese Aufgabe wird dadurch noch erschwert, dass sich Faktoren wie Wind, Wetter, Wartungen und Störungen des Flugbetriebs tagtäglich ändern.

Genau hier kann Big Data den Durchbruch bringen. „Die digitale Airline der Zukunft wird in der Lage sein, die Effizienz ihres Flugbetriebs erheblich zu steigern. Gleiches gilt für die Wartung, den Einsatz der Besatzungen und die Abfertigung am Flughafen“, erläutert der Jeppesen-Manager. „Die Umwelt profitiert von geringeren Emissionen durch besser abgestimmte Flugpläne, Flugrouten und Flugplanung, und die Airlines können ihre Flotten besser nutzen und erhalten dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit.“ Allein durch Boeings Fuel-Dashboard-Software können Airlines einer internen Studie zufolge zukünftig Verbrauch und Emissionen ihrer Gesamtflotte um durchschnittlich 4,5% senken.  

Auch Passagiere werden die digitale Airline zu schätzen wissen. Sie können sich auf eine erhöhte Pünktlichkeit, weniger Ausfälle, verbesserten Service und stabile Preise freuen.

Die „Digitale Fluglinie der Zukunft“ soll bis 2018 konkrete Ergebnisse und Produkte liefern, die bereits bis Ende des Jahrzehnts von Fluggesellschaften in aller Welt eingesetzt werden könnten.