KW 13/2018

In der virtuellen Welt den Notfall trainieren

In der Virtuellen Realität lassen sich gefährliche Situationen realitätsnah und ohne Risiko trainieren.
In der Virtuellen Realität lassen sich gefährliche Situationen realitätsnah und ohne Risiko trainieren.
Donnerstag, 15. Januar 2009, 15.26 Uhr Ortszeit, New York. Planmäßig hebt US-Airways-Flug 1549 von der Startbahn in LaGuardia ab. Doch keine zwei Minuten nach dem Start geraten Wildgänse in die Triebwerke. Beide Getriebe fallen aus, das Flugzeug verliert rasant an Höhe. Pilot Chesley Sullenberger hält eine Landung auf einem Flughafen nicht mehr für möglich. Er setzt den Flieger im Hudson River auf und rettet 155 Menschen das Leben.

Die Bilder von der spektakulären Landung sind um die Welt gegangen. Piloten und Flugzeugcrews müssen auf diese und Dutzende andere Krisenszenarien erstklassig vorbereitet sein und trainieren dafür regelmäßig in Flugsimulatoren. Die Szenarien müssen dabei so realitätsnah wie möglich geprobt und durchgespielt werden. Gemeinsam mit seiner Muttergesellschaft TXT e-solutions arbeitet das Berliner Unternehmen PACE an Softwarelösungen, die es möglich machen, einen weit größeren Teil der Trainingsaufgaben in die virtuelle Welt zu verlegen als bisher.

Piloten und Crew virtuell weiterbilden

PACE hat dazu die Software-Suite Pacelab WEAVR entwickelt, mit der sich maßgeschneiderte Trainingslösungen nach dem Baukastenprinzip erstellen lassen. Je nach Trainingsaufgabe werden Elemente der Virtuellen oder Erweiterten Realität integriert, um die Übungen gleichermaßen realistisch und ungefährlich zu gestalten. Der Clou: Alle Anwendungen, von einfachen Verfahrensschulungen auf dem Tablet bis hin zu komplexen Krisenübungen in vollständigen virtuellen Umgebungen, basieren auf denselben Trainingsdaten.

Das Potenzial ist enorm: Bis zu Dreiviertel der Aus- und Fortbildungszeit von Piloten oder der Crew könnten in absehbarer Zeit in der Virtuellen oder Erweiterten Realität stattfinden. Die Schulungen werden dadurch nicht nur räumlich und zeitlich flexibler, sondern auch deutlich kostengünstiger.

Ausbildung von Wartungspersonal in der Virtual und Augmented Reality

Aber auch für die Ausbildung und Schulung von Wartungsmitarbeitern bieten die Lösungen von PACE neue Möglichkeiten. Beispiel Triebwerkstechnik: Bislang müssen für Schulungen in der Regel komplette Triebwerke aufwendig zum Lehrort transportiert werden oder die Auszubildenden zum Triebwerk gebracht werden. Künftig reicht es aus, nur Teile einer Baugruppe vor Ort zu haben – der Rest des Triebwerks wird mithilfe einer virtuellen 3-D-Animation projiziert. Die Schüler und Fortzubildenden sehen über eine VR-Brille alle Bauteile und können im virtuellen Raum am Triebwerk arbeiten.

Alle Trainingslösungen von PACE werden unter Einhaltung der relevanten Qualitätsstandards entwickelt, wie beispielsweise EASA Part-147/145 für Mitarbeiter in der Flugzeugwartung und -instandhaltung oder NPA 2014-22 für neue Schulungsmethoden und neue Lehrtechnologien.