KW 50/2018

CO2: nichts verschwenden, wiederverwenden!

Das innovative CAPHENIA-Verfahren kann die CO2-Emissionen des Verkehrssektors erheblich reduzieren.
Das innovative CAPHENIA-Verfahren kann die CO2-Emissionen des Verkehrssektors erheblich reduzieren.
CO2 aus den Abgasen von Kraftwerken zu gewinnen, stellt heute keine große Herausforderung mehr dar. Nur was tun mit dem klimaschädlichen Gas? Ein neues Verfahren verspricht nichts weniger als eine Revolution: Überschüssiges CO2 kann als Ausgangsstoff für synthetische Kraftstoffe wiederverwertet werden und als Kerosin den Luftverkehr klimafreundlicher machen.

Enorme Einsparpotenziale

Genau diese Idee will das bayerische Start-up CAPHENIA GmbH umsetzen: einen Treibstoff für Flugzeuge aus CO2 entwickeln. Bei dem neuartigen CAPHENIA-Verfahren entsteht in einem Reaktor – vereinfacht gesprochen – aus Erdgas und CO2 mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien ein Treibstoff. Dieser kann Benzin, Diesel oder Kerosin aus fossilen Quellen ersetzen. Durch die Wiederverwendung von CO2, das beispielsweise von der Industrie emittiert wird, spart dieser Treibstoff im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen bis zu 30 Prozent CO2-Emissionen ein.

Im Luftverkehr sind synthetische Kraftstoffe am wertvollsten, da hier erneuerbare Alternativen wie auf der Straße oder der Schiene fehlen. Eine Elektrifizierung von Flugzeugen mit mehr als 100 Passagieren ist mittelfristig nicht absehbar. Und im Gegensatz zu Biokraftstoffen benötigt synthetisches Kerosin keine Anbauflächen, die in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion treten können.

Die Ziele des Luftverkehrs sind ehrgeizig: Die Luftfahrt will ihre Netto-CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zum Jahr 2005 halbieren. Neben Effizienzsteigerungen bei Flugzeugen und Biokraftstoffen sind innovative Technologien wie synthetische Kraftstoffe eine vielversprechende Option. Die CAPHENIA GmbH ist dabei ein Vorreiter: Das CAPHENIA-Verfahren wird in wenigen Jahren marktreif zur Verfügung stehen. Und für den Treibstoff kann im Wesentlichen die bestehende Infrastruktur an den Flughäfen genutzt werden.

Erprobung startet

Knapp 200 Patente hat die CAPHENIA GmbH im Rahmen des neuen Verfahrens bereits angemeldet. Als nächster Schritt ist ein erster Reaktor geplant, um das Verfahren im großen Maßstab zu testen. Gerade für Deutschland bietet das Verfahren die Chance, um einmal mehr zu einem weltweiten Technologieführer zu werden. Und: Selbst die Produktion des synthetischen Kraftstoffs wäre hierzulande möglich und könnte Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen.